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  1. #1
    #Zucker. Sex des Alters Avatar von Saruman
    Ort: Borg is Killer

    Freude Pflegenotstand-nicht nur alle 4 Jahre

    Ich mache den Job jetzt schon seit 1989 und muss dem jungen Azubi aus der Wahlarena von damals recht geben,unter Merkel hat sich nix verändert,aber davor auch nicht.Als ich ich den Job angefangen gab es auch "Pflegenotstand" nur nicht wie heute,da haben die Krankenkassen mit ihren Vorgaben wie lange Jemand im Krankenhaus verweilen darf (DRG Richtlinien) einen großen Anteil dran.Seit dem hat sich das Arbeitsverhalten/-klima gehörig verändert,das geht alles nur noch Richtung Fließbandarbeit,Stellen werden nicht besetzt weil Überstunden billiger sind,langjährige Mitarbeiter werden raus gemobbt weil zu kostenintensiv...


    https://www.zdf.de/verbraucher/wiso/...-2017-100.html

    In der Altenpflege sieht es um ein vielfaches schlimmer aus.Vor 4 Jahren gewechselt aus dem Krankenhaus in nen ambulanten Altenpflegedienst.Großteil sind ungelernte Kräfte (die ich zur Hälfte nicht verstehe),die aufopferungsvoll ihrer Arbeit nachgehen.



    Was für ein Hohn,wenn man sich mal ausrechnet mit die Kräfte dann am Ende des Monats rausgehen.#Altersarmut,davon dann noch Miete weg und dann am Besten noch Vorsorge gegen Altersarmut?

    Auswirkungen auf andere Länder...

    Viele Bosnier verlassen ihre Heimat um im deutschen Gesundheitssektor zu arbeiten. Als Ärzte, Kranken- oder Altenpfleger. Deutschland profitiert von den gut ausgebildeten Arbeitskräften, in Bosnien-Herzegowina droht die Gesundheitsversorgung zu kollabieren.


    Im Morgenmagazin letztens ne Reportage gesehen wo ein Betreiber eines Konsortium von Altenheimen gezielt auf den Balkan fuhr um Fachkräfte abzugrasen.Nächster Halt der aktuell wohl ganz interessant scheint,Indonesien.
    Da schließt sich wieder der Kreis,diese Methode/Aktion ist nicht neu,das wurde damals schon mit Kräften aus den Philippinen versucht zu stopfen,den Pflegenotstand.

  2. #2
    Ich habe den Eindruck, dass die meisten Mitbürger nicht ansatzweise ahnen, was im Gesundheits- und Pflegebereich los ist. Die Politiker kriegen es - wie alle privat Versichertern und gut Betuchten - sowieso nicht mit.
    Im den Krankenhäusern hat das Elend einen Namen, und der heißt Fallpauschale. Bedeutet, lange Liegezeiten lohnen nicht. Der Patient wird notfalls auch halbtot entlassen - zumindest wenn konkrete ärztliche Behandlung nur noch in geringem Umfang erforderlich ist und es mehr um die Genesung geht. Das führt dazu, dass Taxifahrer davon erzählen können, dass sie Patienten nach Hause fuhren, die zwei Wochen zuvor eine Lungentransplantiation hatten oder viele, viele alte Menschen, deren Versorgung nicht gesichert ist, in ihre Wohnungen zurückgeschickt werden, wo sie häufig nicht annähernd ausreichend versorgt sind. Sei es, weil noch keine Pflegegedienst, aber auch keine Angehörigen da sind, sie es, dass von den Krankenhausmitarbeitern argumentiert wird, eine Höherstufung in der Pflegeversicherung sei während des Kankenhausaufenthaltes heraus nicht möglich, oder weil schlicht noch keine ärztliche Verordnung für häufigere Einsätze eines schon vorhandenen Pflegedienstes da ist und aus irgendwelchen Gründen auch nicht so schnell besorgt werden kann. Es gibt eine Vielzahl weiterer Varianten des Problems.

    Die Situation, wenn jemand zu Hause gepflegt wird oder ins Heim muss ist anders, aber nicht minder problematisch. U.a. sind die einzelnen Pflegekräfte völlig überlastet, von ihnen wird immer mehr verlangt. Bei den Pflegeanbietern herrscht ständig Personalmangel. Es sind nicht nur zu wenige Kräfte da, es gibt auch viele Krankheitsausfälle und die geringe Arbeitszufriedenheit führt zu einer hohen Fluktuation. Die Folge ist, dass in den Heimen zwar häufig, wenn auch nicht immer gut im Ergebnis gepflegt wird, aber an allen Enden zu spüren ist, wie überlastet und gestresst die Pflegekräfte sind und ansonsten praktisch nichts läuft. Die Atmosphäre wirkt oft unmenschlich.
    Bei der ambulanten Pflege erlebt man immer wieder das blühende Chaos. Einsätze fallen aus, immer wieder fehlen Medikamente, die zu Pflegenden beklagen sich, dass die Mitarbeiter nie Zeit haben und dass sie nicht wissen, wann jemand kommt und dass sie halbe, manchmal ganze Tage auf die Einsätze warten.

  3. #3
    Desperate Housewife Avatar von Eisperlchen
    Ort: McPomm + Berlin
    So als Laie möchte ich fragen, ob die Arbeitszufriedenheit bei Pflegekräften höher wäre, wenn a) die Bezahlung angemessen und b) der Personalmangel niedriger wäre ?

    Alten- oder Krankenpflegekraft ist m.E. kein Beruf, den man bis zur eigenen Rente ausüben kann, da die Arbeit körperlich und psychisch strapaziös ist und sicherlich die Wenigsten in der Lage sein dürften, mit Ü60 andere Menschen zu heben, wenden oder in den Rollstuhl zu setzen.
    "Sich über andere zu ärgern ist wie Gift zu trinken und zu hoffen, dass der andere davon stirbt."
    - Buddha

  4. #4

  5. #5
    Zitat Zitat von Mausophon Beitrag anzeigen
    Der Patient wird notfalls auch halbtot entlassen - zumindest wenn konkrete ärztliche Behandlung nur noch in geringem Umfang erforderlich ist und es mehr um die Genesung geht.
    Gibt es dafür valide Quellen oder Statistiken? Oder erlebst du das nur "gefühlt" so? Ich frage nach, weil ich in dieser Hinsicht keine negativen Erfahrungen gemacht habe. Sowohl auf der Unfallchirurgie, als auch im internistischen Bereich mussten meine Mitpatienten und ich eher um Entlastung betteln. Einmal habe ich mich sogar auf eigenen Wusch - gegen ärztlichen Rat - früher entlassen, weil im KH über das Wochenende sowieso nix mehr passiert wäre.


    ... oder viele, viele alte Menschen, deren Versorgung nicht gesichert ist, in ihre Wohnungen zurückgeschickt werden, wo sie häufig nicht annähernd ausreichend versorgt sind.
    Das kann natürlich sein. Ich denke aber, dass das kein Problem der Fallpauschalen ist. Stationäre Unterbringung im KH ist ziemlich kostenintensiv und nicht für die Altenpflege gedacht. Da ist man im Grunde auch überhaupt nicht dafür ausgerüstet. Zu viele Mediziner und viel zu wenig Pflegekräfte.

  6. #6
    Zitat Zitat von Berenike Beitrag anzeigen
    Gibt es dafür valide Quellen oder Statistiken? Oder erlebst du das nur "gefühlt" so? Ich frage nach, weil ich in dieser Hinsicht keine negativen Erfahrungen gemacht habe. Sowohl auf der Unfallchirurgie, als auch im internistischen Bereich mussten meine Mitpatienten und ich eher um Entlastung betteln. Einmal habe ich mich sogar auf eigenen Wusch - gegen ärztlichen Rat - früher entlassen, weil im KH über das Wochenende sowieso nix mehr passiert wäre.
    Valide Statistiken gibt es meines Wissens nicht. Es gibt aber ungezählte Erfahrungsberichte darüber. Es handelt sich nicht nur um mein persönliches Gefühl. Wie lange ist es her, dass du auf der Unfallchirurgie lagst? Von früher kenne ich es auch so, dass man aus dem Krankenhaus nur schwer wieder herauskam, wenn man einmal drin war. Das hat sich aber sehr geändert , außer - und das ist jetzt tatsächlich nur gefühlte Realität - bei Privatpatienten. Da habe ich persönlich noch keine vorzeitigen Entlassgelüste erlebt, wohl aber Diagnosemarathons.
    War es nicht eine Reha, aus der du dich vorzeitig entließest? Das ist etwas anderes als eine Behandlung im Akutkrankenhaus.

    Zitat Zitat von Berenike Beitrag anzeigen
    Das kann natürlich sein. Ich denke aber, dass das kein Problem der Fallpauschalen ist. Stationäre Unterbringung im KH ist ziemlich kostenintensiv und nicht für die Altenpflege gedacht. Da ist man im Grunde auch überhaupt nicht dafür ausgerüstet. Zu viele Mediziner und viel zu wenig Pflegekräfte.
    Es ist keine Frage, dass Krankenhäuser nicht als Altenpflegeeinrichtung zweckentfremdet werden sollen. Es gibt aber Situationen, da muss der Übergang in eine andere Versorgungsform so gestaltet werden, dass er gelingen kann. Und genau daran hapert es. Das dürfte eigentlich nicht sein, weil die Krankenhäuser Sozialdienste für diese Aufgabe haben und die eben für diese Problematik zuständig sind. In der Regel sind aber die Sozialdienste derart unterbesetzt, dass sie nicht einen Bruchteil von dem schaffen können, was eigentlich ihre Aufgabe wäre. In der Praxis scheitert es oft schon daran, dass der Sozialdienst durch die Station gar nicht erst darüber informiert wird, dass ein Patient seine Hilfe bräuchte.

    Ich bin übrigens vor fast 10 Jahren selber mal in einem Zustand aus dem Krankenkaus entlassen worden, in dem ich zwar nicht mehr behandlungsbedürftig war, aber so schwach, dass ich nicht einmal die Bürgersteigkante ohne Hilfe hochklettern konnte. 2 Stunden vorher wusste ich davon noch nix. Da hatte sich ein Arzt bei mir danach erkundigt, welches Krankenhaus denn bei mir zu Hause in der Nähe sei. Ich nannte zwei Stück und weiß nicht mal, ob sie beide angerufen haben. Jedenfalls wurde mir dann gesagt, Nr. 1 sei voll, es ginge jetzt nach Hause. Wenig später kam ein Taxi, das mich rund 400 km nach Hause gefahren hat. Der niedergelassene Arzt, zu dem mich am nächsten Tag eine Freundin begleitet hat, die bei den Bürgersteigkanten hinter und vor dem Taxi half, war erstaunt und hätte mir eine heue Krankenhauseinweisung ausgestellt, wenn ich gewollt hätte. Ich war nicht erpicht darauf, aber wenn ich niemanden gehabt hätte, der mir in der ersten Zeit zum Arzt geholfen und eingekauft hätte oder ganz profan kein Geld zum Taxifahren gehabt hätte, wäre mir gar nichts anderes übrig geblieben. Im entlassenden Krankenhaus hat keiner danach gefragt. Wenn jemand erstmal ein bisschen dement ist oder allein zurückgeblieben, kann er solche Situationen nicht mehr handeln.
    Geändert von Mausophon (14-11-2017 um 17:01 Uhr)

  7. #7
    Ich mag auch Coldplay, Depeche Mode, Grönemeyer, U2, Keane und Gentleman. Avatar von come2me
    Ort: nah an Hermann
    Ich arbeite in einer Werkstatt für behinderte Menschen. Neben uns ist ein Altersheim. Die haben im letzten halben Jahr drei meiner Betreuten aufgenommen, deren Eltern verstorben sind und für die kein Platz in den Wohnheimen meines AG's war. Sie sind Mitte 40 und ich frage mich, wie und ob das Pflegeheim das neben dem 'normalen' Arbeitspensum schaffen soll

    Ich bin schon seit einiger Zeit AU, darum kann ich es nicht hautnah verfolgen
    Bunt! Laut! Genial!

  8. #8
    Zitat Zitat von Mausophon Beitrag anzeigen
    War es nicht eine Reha, aus der du dich vorzeitig entließest? Das ist etwas anderes als eine Behandlung im Akutkrankenhaus.
    Noch bin ich in der Lage zwischen Reha und Akutkrankenhaus zu unterscheiden. Und ja, der Aufenthalt in der Unfallchirurgie ist schon mehrere Jahre her, allerdings habe ich erst vor zwei Jahren stat. internistisch gelegen. Mehrmals in kurzen Zeitabständen. Und bei einem davon habe ich mich selbst entlassen.

    Dazu kommt, dass Familienangehörige und Teile meines Freundeskreises im stationären medizinische Bereich arbeiten. Da höre ich auch eher etwas anders und die Jammerei geht eher in die Richtung, dass Ärzte sich nicht von ihren Patienten trennen können.


    Es ist keine Frage, dass Krankenhäuser nicht als Altenpflegeeinrichtung zweckentfremdet werden sollen. Es gibt aber Situationen, da muss der Übergang in eine andere Versorgungsform so gestaltet werden, dass er gelingen kann. Und genau daran hapert es. Das dürfte eigentlich nicht sein, weil die Krankenhäuser Sozialdienste für diese Aufgabe haben und die eben für diese Problematik zuständig sind.
    Nein, sind sie nicht. Also die Sozialdienste. Dafür gibt - zumindest hier - die sogenannte Überleitungspflege. Die sind tatsächlich speziell dafür da, sich darum zu kümmern, dass Patienten nach der Entlassung adäquat weiter betreut werden.

    Und ja, die sind vollkommen überlastet und es gibt viel zu wenig Stellen. Zumindest hier. Es gäbe hier übrigens genug ausgebildetes Personal. Sehr viele Leute aus der Pflege hängen nach einiger Zeit noch ein Aufbaustudium an ihre Ausbildung dran. Dieses Studium wird sogar von den Krankenhäusern finanziert und kann berufsbegleitend absolviert werden. Soweit ich es mitbekommen habe, landen die Leute dann am Ende aber doch wieder in der Pflege, da keine Stellen da sind.

    Ich frage mich allerdings auch, wie diese Überleitungspflegestellen finanziert werden. Also aus welchem Topf da das Geld kommt.

    Weiß das jemand?

  9. #9
    Zitat Zitat von Berenike Beitrag anzeigen

    Nein, sind sie nicht. Also die Sozialdienste.
    Sind sie wohl. Zumindest hier.
    Zitat Zitat von Berenike Beitrag anzeigen
    Dafür gibt - zumindest hier - die sogenannte Überleitungspflege. Die sind tatsächlich speziell dafür da, sich darum zu kümmern, dass Patienten nach der Entlassung adäquat weiter betreut werden.
    So etwas gibt es hier nicht, der Begriff ist mir völlig unbekannt. Das ist also offensichtlich unterschiedlich geregelt, womöglich von Region zu Region.
    Entscheidend ist, dass die Aufgabe, wie immer das Krankenhaus sich organisiert, gem. § 11 Abs. 4 SGB V tatsächlich dem Krankenhaus obliegt und häufig nicht angemessen wahrgenommen wird.

    "Organisation" dürfte i.Ü. ein weiteres Stichwort sein. Dass es so etwas wie Überleitungspflege gibt, erscheint mir so wünschenswert wie überraschend. In unserer Region habe ich kein Krankenhaus erlebt, das im Hinblick auf Überleitungen nicht auf den Sozialdienst verweist. Das Erlebnis, bei dem ich selbst holterdipolter entlassen wurde, hatte ich aber in "deinem" Bundesland. Gut, ich war nicht pflegebedürftig, aber ein Versorgungsmanagement im Sinne des § 11 Abs. 4 SGB V fand nicht statt und von Pflege i.S.d. SGB XI ist dort ja nicht die Rede.

    Man liest ja immer, dass die Notaufnahmen in den Krankenhäusern so überlastet seien, weil viele Patienten nicht zum niedergelassenen Arzt gingen sondern direkt ins KH. Meiner Erfahrung nach gibt es für viele Fälle geplanter und planbarer Operationen gar keine andere Möglichkeit. Die Vorstellung muss im Krankenhaus erfolgen. Statt Termine zu vergeben, wird auf die Notaufnahme verwiesen, wo die Patienten, auch wenn sie über 80 sind und das kaum aushalten, dann eben 4 - 5 Stunden sitzen.

    Zu deiner Frage nach der Finanzierung: Das ist eine Leistung der Krankenversicherung, wie sich aus der genannten Vorschrift ergibt.
    Geändert von Mausophon (14-11-2017 um 18:19 Uhr)

  10. #10
    Zitat Zitat von Mausophon Beitrag anzeigen
    So etwas gibt es hier nicht, der Begriff ist mir völlig unbekannt. Das ist also offensichtlich unterschiedlich geregelt, womöglich von Region zu Region.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Entlassmanagement

  11. #11
    In der (Akut)-Psychiatrie ist es nicht besser. Zudem kannst Du als Pflegefachkraft jetzt auch gerne noch zusätzlich eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten, Handwerkerin etc machen, denn, so ist es zumindest in dem Bereich, in dem ich arbeite, immer mehr Verwaltungskram dazukommt (neu eingeführt in ALLEN Krankenhäusern: das Entlassmanagement, das im Grunde zusichert, dass niemand einfach so "auf die Straße" entlassen wird - ist im Prinzip ne super Sache, aber wohl eher für somatische Häuser als für uns gemacht, weil wir uns eigentlich immer schon um die weitere Versorgung gekümmert haben) und ständig irgendwas kaputtgeht, die Häuser werden marode und auch unter den Handwerkern bei uns ist der Krankenstand hoch. Ich arbeite auf einer Psychotherapiestation für Gehörlose, aber darf im Moment, vor allem nachts, oft auf anderen Stationen "aushelfen", besonders auf unserer Nachbarstation für akut psychisch kranke Gehörlose/Hörende (mittlerweile gemischte Klientel). So auch heute, ich fahre zur Arbeit und weiß im Grunde noch nicht, wo ich arbeiten werde.
    Der Krankenstand in unserem Haus lag bei der letzten Erhebung bei ca. 27% (!!), ca. 1000 Mitarbeiter.
    Es wird immer mehr abgebaut, Stellen nicht mehr besetzt (bei uns z.B. soll die neurologische Abteilung verkauft werden, bis klar ist, wer die übernimmt und ob die Mitarbeiter dann bei uns bleiben oder dann zum neuen Träger wechseln, werden einfach keine mehr eingestellt), Sozialarbeiter- und Psychologenstellen drastisch reduziert, die Krankenkassen übernehmen auch bei uns oft Behandlungen im Nachhinein nicht, die Vorgaben für Verlängerungsanträge werden immer strikter und enger, es ist insgesamt ziemlich chaotisch geworden, weil im Rahmen der Zertifizierungen nach außen ein glänzend Bild abgegeben werden muss, was mit sehr viel Organisation verbunden ist (und ja, wir haben auch noch Patienten ), aber wie's im Alltag aussieht...

  12. #12
    Hast du den Artikel gelesen? Ich zitiere:
    "In der Praxis hat sich gezeigt, dass gerade bei Patienten, die aufgrund eines akuten Ereignisses (Schlaganfall, Herzinfarkt, Unfall u. a.) bzw. einer entgleisten Grunderkrankung (z. B. COPD, Herzinsuffizienz, Demenz u. a.) einen stationären Aufenthalt benötigen, die Nachversorgung trotz unterschiedlicher Bemühungen der Krankenhäuser für den Patienten in seiner Versorgungsrealität nicht ausreichend geregelt ist und kein strukturiertes Entlassmanagement erfolgt."

    Wenn es diese Stellen in deiner Gegend gibt, finde ich das vorbildlich. Du scheinst mir nicht zu glauben, dass das nicht der Regelfall ist. Es ist nicht nur nicht der Regelfall, ich persönlich bin nie einem Mitarbeiter eines Krankenhauses begegnet, dessen Funktion "Entlassmanagement" "Versorgungsmanagement" oder wie immer man das noch nennen könnte, war. Wie du weißt, habe ich viel mit Krankenhäusern zu tun.
    Das ist der Effekt, den ich in meinem ersten Posting in diesem Thread ansprach. Diejenigen, die mit diesem System arbeiten müssen, kämpfen gegen Windmühlen, aber die Realitäten werden außerhalb dieser Tätigkeitsfelder weitgehend nicht zur Kenntnis genommen.

    Was du außerdem außer Betracht lässt ist, dass das Versorgungsmanagement zwar zweifellos Aufgabe der Krankenhäuser ist, dass aber nirgendwo geregelt ist, wie die Organisation zu erfolgen hat. Das hier gängige Modell, das vorsieht, dass sich Ärzte, Pflegemitarbeiter und Sozialdienst sich miteinander ins Benehmen setzen sollen, ist eines, das in diesem Rahmen durchaus möglich ist. Du scheinst davon auszugehen, dass spezielle Stellen für den Bereich "Entlassmanagement" geschaffen werden müssen. Das ist aber meines Wissens nirgendwo durch gesetzliche oder untergesetzliche Regelungen vorgesehen. Du hast anscheinend auch übrlesen, dass in dem Wiki-Artikel steht: "Beim Entlassmanagement handelt es sich um eine teamorientierte multiprofessionelle Aufgabe, da sowohl bei der Beurteilung als auch bei der Organisation der Versorgung für die Zeit nach einem stationären Aufenthalt Elemente aus Medizin, Pflege, Rehabilitation sowie Aspekte des Sozialwesens einzubeziehen sind."
    Die Aufgabe muss nur irgendwie erledigt werden und das gelingt meiner Erfahrung nach kaum.
    Geändert von Mausophon (14-11-2017 um 18:47 Uhr)

  13. #13
    Zitat Zitat von Mausophon Beitrag anzeigen
    Hast du den Artikel gelesen?
    Natürlich habe ich den Artikel gelesen. Was lässt dich glauben, dass das nicht der Fall ist?

    Du scheinst mir nicht zu glauben, dass das nicht der Regelfall ist.

    Wie kommst du darauf, dass ich dir nicht glauben würde. Ich glaube dir gern, dass du noch nie davon gehört hast. Hatte ich übrigens bis vorgestern auch nicht.

    Hier fängt man tatsächlich, wenn auch offensichtlich sehr sparsam, an das einzuführen. Die Mitarbeiterin, die ich kenne, hat allerdings nach einem halben Jahr jetzt das Handtuch geworfen und geht wieder in die stationäre Pflege. Sie hat in diesem halben Jahr mehr Überstunden angesammelt als in zwei Jahren Stationsdienst. Die Kommunikation mit den einzelnen Abteilungen im KH funktionierte nicht und niemand hat so recht definiert, was genau ihr Aufgabengebiet ist und was nicht.

    Und das ist für mich das Problem. Da hat jemand eine gute Idee gehabt oder man hat gesehen, dass es in anderen Ländern gut funktioniert. Aber bis so was eingeführt, finanziert und sich bei allen rumgesprochen hat, dauert es viel zu lange.

    Ich halte das auch für kostendämpfend und für deutlich günstiger, als die Leute unsinnig lange auf den Akutstationen zu belassen, nur weil sie zuhause nicht allein zurecht kommen. Wie gesagt, dafür sind die Stationen überhaupt nicht eingerichtet.


    Was du außerdem außer Betracht lässt ist, dass das Versorgungsmanagement zwar zweifellos Aufgabe der Krankenhäuser ist, dass aber nirgendwo geregelt ist, wie die Organisation zu erfolgen hat.
    Himmelhergott, jetzt unterstell mir doch nicht dauern etwas. Mir ist völlig klar, dass das System nicht funktioniert. Bislang verstehe ich allerdings noch nicht so recht, woran es hapert.


    Du scheinst davon auszugehen, dass spezielle Stellen für den Bereich "Entlassmanagement" geschaffen werden müssen.
    Ich würde es für wünschenswert halten, wenn das passieren würde. Mit gesetzlichen Vorgaben kenne ich mich nicht aus. Wie gesagt, hier fängt man an, solche Stellen zu schaffen. Allerdings viel zu zögerlich.

    Völlig absurd ist ja dabei, dass immer mehr Pflegekräfte offensichtlich diese Aufbauschulung/studium machen. Die bekommen das sogar finanziert und werden dafür freigestellt. Das wiederum führt zu immer mehr Personalknappheit auf den Stationen, da die freigestellten Kollegen natürlich nicht ersetzt werden. Und wenn die dann fertig sind und ihren Abschluß haben, sind die auch verpflichtet, noch mehrere Jahre bei dem Arbeitgeber zu bleiben, der die Ausbildung finanziert hat. Dummerweise ist der Arbeitgeber aber offensichtlich zu kurzsichtig (aus welchen Gründen auch immer), denen dann auch adäquate Stellen zur Verfügung zu stellen.

    Du hast anscheinend auch übrlesen,

  14. #14
    @Berenike
    Sorry, wenn ich einen rumpeligen Ton hatte. Dies ist ein Thema, in dessen Kontext ich immer wieder erfahre, dass Menschen in existentielle Nöte geraten und ich erlebe insbesondere auf Seiten der Ärzte zuweilen Reaktionen, die ich als unmenschlich empfinde.

    Zitat Zitat von Berenike Beitrag anzeigen
    Natürlich habe ich den Artikel gelesen. Was lässt dich glauben, dass das nicht der Fall ist?
    Die Tatsache, dass du behauptet hast, die Sozialdienste seien nicht zuständig, sondern die sogenannte "Überleitungspflege".

    Zitat Zitat von Berenike Beitrag anzeigen
    Nein, sind sie nicht. Also die Sozialdienste. Dafür gibt - zumindest hier - die sogenannte Überleitungspflege. Die sind tatsächlich speziell dafür da, sich darum zu kümmern, dass Patienten nach der Entlassung adäquat weiter betreut werden.
    Zuständig können nur Menschen (in einer bestimmten Funktion) sein. Als ich schrieb, dass mir der Begriff - gemeint war "Überleitungspflege" als Funktionsbezeichnung bestimmter Mitarbeiter eines Krankenhauses - völlig unbekannt sei, zitiertest du den Wiki-Artikel. Der bescheibt aber nun nicht ein Berufsbild oder eine Funktion innerhalb des Pflegeberufes, sondern das Versorgungsmanagement nach § 11 Abs. 4 SGB V, welches ich selbst bereits vorher erwähnt hatte.


    Zitat Zitat von Berenike Beitrag anzeigen
    Wie kommst du darauf, dass ich dir nicht glauben würde. Ich glaube dir gern, dass du noch nie davon gehört hast. Hatte ich übrigens bis vorgestern auch nicht.
    S.o. - Versorgungsmanagement durch Krankenhäuser fordere ich beruflichen Zusammenhängen ständig ein, u.a. bei den Sozialarbeitern der Häuser. Du meintest aber, die seien nicht zuständig. Solange das Krankenhaus keine spezielle Funktion "Entlassmanager" o.Ä. schafft, sind sie das jedoch.

    Zitat Zitat von Berenike Beitrag anzeigen
    Hier fängt man tatsächlich, wenn auch offensichtlich sehr sparsam, an das einzuführen. Die Mitarbeiterin, die ich kenne, hat allerdings nach einem halben Jahr jetzt das Handtuch geworfen und geht wieder in die stationäre Pflege. Sie hat in diesem halben Jahr mehr Überstunden angesammelt als in zwei Jahren Stationsdienst. Die Kommunikation mit den einzelnen Abteilungen im KH funktionierte nicht und niemand hat so recht definiert, was genau ihr Aufgabengebiet ist und was nicht.

    Und das ist für mich das Problem. Da hat jemand eine gute Idee gehabt oder man hat gesehen, dass es in anderen Ländern gut funktioniert. Aber bis so was eingeführt, finanziert und sich bei allen rumgesprochen hat, dauert es viel zu lange.
    Aus der praktischen Erfahrung heraus drängen sich für mich in dem Bereich mehrere Problemfelder auf. Die Kommunikation in Krankenhäusern läuft meist überhaupt nicht. Informationen gelangen nicht von A nach B. Es gibt kein Bewusstsein dafür, dass bestimmte Informationen für andere Berufsfelder, Patienten, Angehörige wichtig sind.
    Sowohl die medizinischen als auch die pflegenden Mitarbeiter beharren oftmals sehr darauf, dass sie für nichts als ihre Kernaufgaben zuständig sind. Dies mag ein deutliches Zeichen von Überlastung sein, aber die mangelnde Kooperationsbereitschaft macht es für Schnittstellenfunktionen schwer.
    Wenn die Mitarbeiterin, die du meinst, eine Ausbildung im Pflegebereich, aber keine weitere und sonst wenig Erfahrung mit anderen Berufsfeldern hat, ist sie mutmaßlich mit einigen Aufgabenfeldern überfordert. Entlassmanagement verlangt Kenntnisse über Sozialleistungsansprüche, Kostenträger und Infrastruktur.
    Aber vielleicht lernt man das ja im Aufbaustudium, von dem du schriebst.


    Zur Finanzierung: Dass das Entlassmanagement eine Leistung der Krankenversicherung ist, ist in § 11 Abs. 4 SGB V geregelt.


    https://www.vdek.com/vertragspartner...anzierung.html
    Die Krankenhausfinanzierung erfolgt in Deutschland nach dem Prinzip der "dualen Finanzierung": Die Betriebskosten der Krankenhäuser, also alle Kosten, die für die Behandlung von Patienten entstehen, werden von den Krankenkassen finanziert. Die Investitionskosten werden hingegen durch die Bundesländer finanziert. Demzufolge entscheiden die Länder, wo ein Krankenhaus gebaut, erweitert oder geschlossen wird und finanzieren diese Investitionsmaßnahmen.

    Wenn Krankenhäuser im Rahmen der Krankenhausplanung der Bundesländer in den Landeskrankenhausplan aufgenommen werden, dann sind die Krankenkassen zur Erstattung der Behandlungskosten in diesen Krankenhäusern verpflichtet. Die Vergütung wird jedes Jahr im Rahmen des DRG-Systems auf Basis der Landesbasisfallwerte oder in Teilbereichen durch das neue PEPP-System ausgehandelt.

    Kern des DRG-Systems (Diagnosis Related Groups) ist der Fallpauschalenkatalog. Er enthält rund 1.200 abrechenbare Fallpauschalen, die das komplexe Behandlungsgeschehen abbilden. Der Basispreis für die einzelnen DRG-Leistungen wird seit 2005 durch die Landesbasisfallwerte festgelegt. Sie werden jährlich von den Krankenhausgesellschaften und Krankenkassen auf Landesebene ausgehandelt.


    Der Landesbasisfallwert beträgt z.B. für NRW 3355 €.
    https://www.vdek.com/vertragspartner...202017_DMH.pdf
    Diese Pauschalen erklären, warum Krankenhäuser so wenig Interesse daran haben, dass Patienten lange bei ihnen bleiben (und auch warum der Verbleib übers Wochenende nicht immer, aber des öfteren unproblematischer ist): Wenn das Bett mit einem neuen Patienten belegt wird, kann wieder die Pauschale in Anspruch genommen werden.

    Je nach Fall wird diese Pauschale durch eine Bewertungsrelation angepasst.
    Diagnosebezogene Fallgruppen) bezeichnen ein Klassifikationssystem für ein pauschaliertes Abrechnungsverfahren, mit dem Krankenhausfälle (Patienten) anhand von medizinischen Daten, sogenannten Leistungsbezeichnern (Haupt- und Nebendiagnosen, Prozedurenkodes, demographische Variablen) Fallgruppen aufgrund ihrer methodischen Ähnlichkeit zugeordnet werden.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Diagno...ne_Fallgruppen

    Wenn ich mir Quellen dazu durchlese, tauchen Versorgungs- und Entlassmanagement nirgendwo auf. Und da liegt wohl (zumindest bisher) die Crux. Stellen für Mitarbeiter, die diese Aufgaben wahrnehmen, kosten, bringen aber nichts zusätzlich ein. Und für die medizinischen Bereiche sind diese Mitarbeiter lästige Fragesteller und Dokumentenanforderer.

    Immerhin: Seit dem 01.07.2017 ist das Entlassmanagement als Aufgabe der Krankenhäuser durch § 39 Abs. 1a AGB V in seiner Bedeutung gestärkt worden: https://dejure.org/gesetze/SGB_V/39.html
    Geändert von Mausophon (14-11-2017 um 21:31 Uhr)

  15. #15
    Ich versuche mal, das Ganze positiv zu sehen: Die Tatsache, dass das Entlassmanagement neuerdings nicht nur als Teil des Versorgungsmanagements genannt wird, sondern in einem riesigen Absatz innerhalb eines Paragraphen im SGB V Niederschlag gefunden hat, muss wohl bedeuten, dass sein Gewicht, die bestehenden Mängel und die Regelungsbedürftigkeit erkannt wurden. Da es nun so ausdrücklich und detailliert aufgedröselt zur Aufgabe der Krankenhäuser avanciert ist, wird es künftig vielleicht auch bei den Finanzierungverhandlungen anders berücksichtigt. Dann hätte es wohl wirklich eine Chance....


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