Wer keine Lust mehr drauf hat 3 Tage alte Brötchen zu essen muß halt auch mal wieder zum Bäcker rennen. Und selbst dort wird man schon wieder direkt daran erinnert warum man gestern abend so schlecht einschlafen konnte. Denn jetzt hat sich auch die BILD-Zeitung in die allgemeine Mischung aus Hysterie, Schadenfreude und Panikmache eingeklinkt:
"Sportmacht Deutschland - was ist nur aus dir geworden?"
"Wird das noch was, ihr Olympia-Pfeifen?"
lauten jene Bild-Headliner, die man selbst in der hintersten Reihe beim Anstellen nicht übersehen kann. Und es gibt sogar immer noch ein paar Masochisten, die 50 Cent dafür ausgeben nur um seitenweise lesen zu dürfen in was für einem Versager-Land man gerade lebt.
Die ARD beginnt den Tag mal wieder mit einer "Wir werden alle sterben"-Sondersendung und Franziska vanAlmsick darf Ralf Scholt erklären wie es denn soweit kommen kann, daß selbst Mr. Zuverlässig Paul Biedermann es nicht schafft eine Schwimmmedaille zu holen.
"Dieses Totalversagen ist schon erschreckend. Zu meiner Zeit war das noch anders....

"
sagt ausgerechnet jene, die 1996 als haushohe Topfavoritin nur Silber gewann und die 2000 und 2004 als große Mitfavoritin nur 5. wurde bzw. sogar im Halbfinale servus sagen mußte. Wo ist Magdalena Neuner wenn man sie mal braucht?

Die bringt den Schwachsinn, den sie labert wenigstens sympathisch rüber im Gegensatz zur Möchtegern-Legende Franzi, die man nach dem selbstverliebten Interview eigentlich am liebsten nur noch zum Open Water schicken möchte und zwar in jene Londoner Bucht in der die meisten Haie rumschwimmen.
Die Vorläufe im Schwimmen stehen natürlich auch im Zeichen von Paul Biedermann, denn seine letzte Medaillenhoffnung (die 4x200mKraul-Staffel) muß sich am frühen Morgen schon fürs Finale qualifizieren und diesmal darf der Paule im Gegensatz zur 4x100-Staffel sogar mitmachen

. Obwohl die Amerikaner, Franzosen, Russen und Känguruhfresser allesamt mit ihrer B-Staffel antreten reicht es für die deutsche Topbesetzung zwar nur zur 5. Vorlaufzeit, aber für Eurosport-Ruppi reicht das schon aus uns für den Abend mal wieder aufs Podest quatschen zu wollen.
„Paule is nich voll geschwommen“
-> was als Startschwimmer auch total Sinn macht


„Markus hat auch noch Reserven“
-> sicher, das haben alle Deutschen. Nur weiß leider keiner in welcher Besenkammer sie gerade sind!
„es waren auch alles nur Sicherheitswechsel“
-> klar, und die B-Staffeln der Anderen haben natürlich komplett volles Risiko gewechselt. Im Finale holen wir da locker 3 Sekunden raus

Ruppi trainiert wohl noch in einem vollen Wodka-Becken und verschluckt sich dabei zu oft.
Der Held des Vormittags heißt dafür Ole Bischof, der es in London als erster deutscher Judokämpfer schafft die erste Runde zu überstehn (er hat als Titelverteidiger das Freilos). In der zweiten Runde ist für den Olympiasieger von Peking zwar dann schon wieder Schluß, zumal auch sein Gegner sich gleich in der nächsten Runde verabschieden muß und damit sämtliche letzte Hoffnungen Bischofs auf eine evtl. Bronzemedaille relativ früh zunichte macht. (Das Judosystem bei Olympia is echt der Brüller

), aber trotzdem ein dreifach donnerndes Ole olee. Aber so ist das halt bei einem großen Judoturnier. Wie eine Windows-Neuinstallation: Man hat 3 Minuten was zu tun, dann muß man ne Stunde warten, dann hat man wieder 3 Minuten was zu tun, dann wieder ne Stunde warten usw. und irgendwann fliegt man halt raus. Vielleicht hätte man ja doch besser Stefan Raab hinschicken sollen, der den Ole Bischof ja mal vor laufenden Fernsehkameras vernichtend schlagen konnte (63:3)
Der weitere Vormittag verläuft zäh. Eurosport zeigt Vorläufe im Rudern (u.a. erreicht der deutsche Weltmeister-Doppelvierer der Damen souverän den Endlauf, yääii

); die ARD zeigt einen Bericht über Londoner Taxifahrer, die von den Olympia-Touristen vom Festland sowas von genervt sind, weil die ständig meinen sie würden auf der falschen Seite fahren. Und im illegalen Internet-Livestream darf ich mir das klägliche Ausscheiden sämtlicher deutscher Florettfechter anschauen. Sowohl der dreifache Weltmeister Peter Joppich als auch Titelverteidiger Benjamin Kleibrink scheiden gegen Namen aus, die man sonst nur aus dem Yoga-Unterricht kennt bzw. aus irgendwelchen Manga-Comics. Und auch die deutschen Wildwasserkanuten im Canadier-Einer saufen erwartungsgemäß ab (also nicht im übertragenen Sinne, sondern wirklich). Mann mann mann, wann gibt es endlich mal was Deutsches, das über sich hinauswächst oder mal positiv überrascht?

Man kann sich noch immer nicht richtig an das ständige Medaillenhoffnungen-Sterben gewöhnen, es enttäuscht einen immer wieder genauso aufs Neue wie schon zig Male zuvor. Die ARD interessiert das dagegen alles nicht. Das Taxameter steht zwar inzwischen schon bei gut 4.500 Pfund, aber der GEZ-Geldschrank scheints ja noch herzugeben
Die Hoffnung, daß die ARD am Mittag wenigstens live die größte Medaillenchance des Tages, die Entscheidung im Vielseitigkeitsreiten sowohl im Einzel als auch in der Mannschaftswertung überträgt ist bereits in dem Moment passe als ich zum ersten Mal des Tages Magdalena Neuner zu Gesicht bekomme. Diesmal darf sie sogar eine Reportage machen. Sie steht im Londoner Wachsfigurenkabinett Madame Tussaud und begutachtet die neue Wachsfigur von Tora Berger, deren Herstellung allerdings recht simpel war: Man hatte einfach die Wachsfigur von Liv Grete Skjelbreid vom Dach fallen lassen.
Aber dafür ist wenigstens Eurosport live beim Reiten drauf

Jetzt aber! Wenns jetzt nicht die erste deutsche Medaille bei diesen Spielen gibt, wann dann?? Die Ausgangsposition ist vielversprechend. Obwohl man nur noch 3 Reiter zur Verfügung hat führt man klar in der Mannschaftswertung und auch im Einzel liegt man mit den Plätzen 4, 5 und 7 noch aussichtsreich. Frank Ostholt ist der erste Deutsche, der in den Spring-Parcours muß und er reitet fehlerfrei!

Und nicht nur das. Der Brite und der Franzose müssen jeweils 1 Stange fallen lassen, so daß sich der Vorsprung der deutschen Mannschaft schon nach dem 1. von 3 Durchgängen auf 4 Abwürfe erhöht hat. Und auch Ingrid Klimke lässt in ihrem Durchgang nicht viel anbrennen und kommt mit nur einem Abwurf durch, genauso wie der Brite und Franzose danach. 14:43 Uhr deutscher Zeit sieht es also verdammt klasse aus mit der ersten deutschen Medaille und auch gleichbedeutend mit dem vielleicht sogar ersten Gold. 4 Abwürfe Vorsprung auf Silber. Ganze zehn 10 Abwürfe Vorsprung auf Platz 4. Und weil nach dem Stand in der Einzelwertung geritten wird darf Michael Jung sogar vorlegen und könnte damit schon sofort alles klarmachen, wenn er nicht mit mehr als 3 Abwürfen davonkommt. Ich mach mir noch schnell ein Sandwich in der Küche um’s pünktlich live mitzuerleben, doch als ich wieder vor der Kiste sitze reitet der Jung immer noch nicht. Wo bleibt der denn nur?? Der Stadionsprecher hat ihn bereits 2x aufgerufen. Unruhe macht sich breit. Das Fernsehbild zeigt den leeren Parcours. Vielleicht weiß die ARD ja mehr. Umschalten. Aber da grinst immer noch die Neuner. Wieder zurück auf Eurosport. Wieder der leere Parcours. Was ist los? Wo Ist Jung? – Auf einmal atme ich auf. Puh. Da ist er ja. Die Fernsehkameras haben ihn endlich eingefangen und zwar in der Wartebox, aus der die Reiter in den Parcours einlaufen. Und ein paar Helfer und Offizielle ringsrum, die hektisch an dem Pferd samt Reiter rumfummeln. Auf einmal erscheint unten am Bildrand das Unglaubliche und ein frischgekautes Stück Sandwich fällt mir aus dem Mund.
„1 GER - Michael Jung – disqualified“
Mehr Infos gibt’s erstmal nicht. Keiner weiß was los ist. Der Eurosportkommentator nicht, der Experte nicht, im Forum weiß es auch keiner und bei der ARD wissen sie nicht mal, daß überhaupt Reiten ist.
Schock macht sich breit. Mit der letzten Hoffnung, daß der Jung doch noch reiten darf starre ich auf den immer noch leeren Parcours am Fernsehschirm. Aber erst als schließlich der Brite unter frenetischem Applaus seiner Landsleute zu seinem Lauf ins Stadion einreitet ist auch dieser letzte Strohhalm außer Reichweite. 3 von 5 deutschen Vielseitigkeitsreitern damit nicht mehr in der Wertung und daher auch kein Ergebnis in der Mannschaftswertung -> keine Medaille. Das kann ja wohl nicht wahr sein!!. 10 Abwürfe! Vorsprung auf Bronze. 4 auf Gold! Und dann sowas! Und immer noch weiß niemand warum! Der Brite bleibt natürlich fehlerfrei wie auch der Franzose danach und damit sind auch die letzten Hoffnungen auf eine evtl. Einzelmedaille von Ingrid Klimke ebenso ad acta gelegt. Aber das interessiert momentan eigentlich nur noch am Rande. Das Forum glüht erneut, und als zeitgleich auch noch die Österreicherin Hilde Drexler die Bronzemedaille im Judo der Damen bis 63kg und damit schon die insgesamt 4. Medaille für Österreich gewinnt bricht sogar der IOFF-Server zusammen. Diese Quelle möglicher Klarheit ist damit erstmal passe und auch das Fernsehn macht einen nicht schlauer. Erst 1 Stunde nach Beendigung des Wettkampfes faselt bei Eurosport irgendjemand was von Fehlern bei der Materialkontrolle, während in der ARD gerade Michael Antwerpes, Kati Witt, Dr. Thomas Bach, Birgit Fischer und Magdalena Neuner bei Madame Tussaud eine Wachsfigur von Waldemar Hartmann in Lebensgröße basteln -> so groß wie eine Kerze auf einem Yes-Torti.
Eurosport wird’s daraufhin langsam zu blöde und hat keine Lust mehr die Ursachen für Jung’s Disqualifikation herauszufinden und zeigt stattdessen das Mannschaftsfinale der Turndamen, bei der die Deutschen wenigstens ihren 7. Platz aus der Qualifikation bestätigen können.