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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 30 Jahre Tschernobyl - Haben wir etwas gelernt?


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Little_Ally
26-04-2016, 13:13
Heute ist der Super-GAU von Tschernobyl 30 Jahre her. In der Ukraine und in Russland gedenkt man heute der Opfer und würdigt die heldenhaften Ersthelfer. (http://www.tagesschau.de/ausland/tschernobyl-gedenken-101.html)

Haben wir in den vergangenen Jahrzehnten etwas aus der Katastrophe gelernt? Ich habe manchmal nicht den Eindruck. :nixweiss: Es gab vor 30 Jahren eine Schrecksekunde, dann hat man weiter gemacht wie bisher. Dann gab es vor 5 Jahren mit Fukushima eine weitere Schrecksekunde, daraufhin hat sich zumindest Deutschland den Atomausstieg auf die Fahnen geschrieben (man weiß aber immer noch nicht, wohin mit dem Atommüll). Aber insgesamt versucht man auch in Deutschland inzwischen wieder den Ausstieg hinauszuzögern. :nixweiss:

Heute Abend gibt es einen Themenabend bei ARTE. (http://info.arte.tv/de/tschernobyl-30-jahre-nach-der-katastrophe)

moki
26-04-2016, 13:43
Nein, wir haben nichts gelernt, im Gegenteil. Siehe z. B. Belgien.

Plumpaquatsch
26-04-2016, 13:50
Ich finds traurig, dass man als Nachbarstaat nichts dagegen machen kann wenn einer Schrott-Akw's am Start hat.

So eine radioaktive Wolke macht an Grenzen nicht halt sondern fliegt darüber hinweg.

PazaaR
26-04-2016, 14:09
Vor allem wo sonst alles EU Weit geregelt werden kann aber wo es wirklich um dringenden Schutz geht ist es auf einmal wieder Ländersache. Albern ist das alles!!!

Igge6
26-04-2016, 14:22
Ich bemühe mich ja immer nicht über meine Gastgeber zu meckern, bin ja schließlich nur Gast. :D

Aber was das Thema und die Schweiz betrifft, da bin ich echt verwirrt... Man hat zwar generell eine Art Ausstieg beschlossen, der sich aber im Detail nicht liest wie ein Ausstieg... Und die Schweiz hat wirklich alte Kernreaktoren... Wenn ich richtig sehe, haben nur die ältesten davon eine Laufzeitbeschränkung. Und diese ist auf max. 60 Jahre gesetzt. (also laufen die wirklich alten noch an die 15 Jahre)

Dass finde ich erschreckend.

Dirk
26-04-2016, 15:15
Little Ally, Schrecksekunden gab es mehr als genug

Wiki Liste der registrierten Kerntechnischen Unfälle (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Unf%C3%A4llen_in_kerntechnischen_Anlagen)

Gelernt? Nicht wirklich. In der Wirtschaft und bei einigen Politikern geht es immer noch eher um den geldlichen Gewinn vor Sicherheit.

Emotions
26-04-2016, 15:16
Der erste Link oben ist falsch...

Ich habe Ranga Yogeshwar bei Phönix gesehen und er ist als Physiker ja alles andere als rückwärtsgewandt, aber bei AKWs reichen eben schon kleine Fehler von Einzelnen um eine Situation zu schaffen die nicht mehr umkehrbar ist. In Fukushima hat man seinen Worten nach in kurzer Zeit mehr verstrahltes Material entsorgt wie in der Ukraine in 30 Jahren (da kommt man mit dem neuen Sarkophag auch nicht weiter).

*Blue*
26-04-2016, 15:34
[QUOTE=Emotions;44690431]Der erste Link oben ist falsch...

Ich habe Ranga Yogeshwar bei Phönix gesehen und er ist als Physiker ja alles andere als rückwärtsgewandt, aber bei AKWs reichen eben schon kleine Fehler von Einzelnen um eine Situation zu schaffen die nicht mehr umkehrbar ist. In Fukushima hat man seinen Worten nach in kurzer Zeit mehr verstrahltes Material entsorgt wie in der Ukraine in 30 Jahren (da kommt man mit dem neuen Sarkophag auch nicht weiter).[/QUOTE]


wohin entsorgt? wie entsorgt ?

das zeug ist nicht weg, sondern erfreut auch noch unsere urenkel.

ich versuch mir immer zu sagen: naja, in ein paar Millionen Jahren ist alles zerfallen - und dann hat di Erde wieder die Möglichkeit von einem besseren Punkt aus zu starten.
und bei 4 Milliarden verbleibenden jahren Erdgeschichte, sind ein paar Milliönchen Jahre verstrahlung ja nicht soooo schlimm :crap:


ich denke seit gestern schon nur an den 26.04.86 -
es war wohl der bis dahin schlimmste Tag überhaupt - also eigentlich der 2.5 erst, als das dann alles so langsam durchsickerte.

bammbamm
26-04-2016, 15:39
hab neulich ne ziemlich gute doku zum thema endlagerung gesehen, "die reise zum sichersten ort der erde"

YDcBJghIq0A

(wer maxdome hat dort ist er gerade in der videothek)

ManOfTomorrow
26-04-2016, 15:42
In Belgien sind aber kompetente Leute am Werk:
[quote][...] Der Behördenchef heißt Jan Bens. [...] Nach seinem Amtsantritt erklärte er, dass er Windräder für gefährlicher als Atomkraftwerke hält. [...]

http://www.tagesspiegel.de/politik/bericht-ueber-atomaufsicht-belgiens-akw-aufseher-im-chaos/13500064.html[/quote]
Also für Vögel definitiv. :ja: :zahn:

Emotions
26-04-2016, 15:53
[QUOTE=Blu3;44690469]wohin entsorgt? wie entsorgt ?

[/QUOTE]

Natürlich haben sie es nicht "entsorgt", sie haben es immerhin versucht aus der Umwelt zu separieren, natürlich bleibt es dann immer noch seperater (verstrahlter) Müll, in der Ukraine hat man diese Anstrengung garnicht erst versucht.

Ich glaube Greenpeace hat es mal so erklärt, man hat mit der Kerntechnik angefangen ohne an eine Endlagerung zu denken, so als hätte man ein Passagierflugzeug in die Luft gebracht ohne eine Landebahn zu haben.

SnakeX
26-04-2016, 16:15
wie sieht das eigentlich mit Haftung für Umweltschäden aus?
sind da jemals Entschädigungszahlungen von den Verursachern in die betroffenen Länder geflossen?

spector
26-04-2016, 16:18
Ich kann mich noch sehr gut an Tschernobyl erinnern. Wir bastelten in meinem Gymnasium einen aus heutiger Sicht recht kitschigen "Lebensbaum" der in der Aula aufgehängt wurde und durften laaange Zeit kein Gemüse oder Obst aus nahen, osteueropäischen Ländern essen. Es gab damals so etwas wie eine unterliegende Hysterie.
Was wir gelernt haben? Die Kanzlerin hat, wie letzen Herbst mit ihrer Flüchtlingspolitik nach dem TV-Auftritt mit dem libanesischen Mädchen, auch nach Fukushima einen großen Image-Haken geschlagen.
Erst AKW --- ohja, und bitte lange! Dann AKW, nee!

Was natürlich nix nützt, solange Frankreich seine schrottreifen Atommeiler noch vor der Haustür des Saarlands stehen hat und wir als vielzitierte Exportnation Nr. 1 nun auch den verstrahlten Müll einbeziehen, der in hiesigen Salzhöhlen schlechter als schlecht gelagert wird.

Es gibt einen wichtigen, ja für mich sehr persönlichen Grund, alle AKWs in Europa abzuschalten. Ich möchte nicht mehr sehen, wie Claudia Roth sich kameratauglich auf Bahngleise setzt.

Little_Ally
26-04-2016, 19:46
[QUOTE=Emotions;44690431]Der erste Link oben ist falsch...
[/QUOTE]
:maso: Peinlich! :rotauge:

Danke für den Hinweis.:schäm: Habe es geändert. :ja:



Vorhin kam auf ARTE, dass in der Ukraine noch einige AKWs vom Model Tschernobyl am Netz sind und, trotz mangelhafter Sanierung, wegen des Energiebedarfs auch am Netz bleiben sollen. Ich hab da ja ein ungutes Gefühl. Wegen der Problemmeiler in Belgien und Frankreich natürlich auch.
Und das ein Computervirus in den (angeblich nicht mit den sicherheitsrelevanten verbundenen) Systemen des AKW Gundremmingen gefunden wurde, find ich auch nicht prickelnd. (http://www.welt.de/politik/deutschland/article154744115/Computervirus-in-Atomkraftwerk-Gundremmingen-entdeckt.html):rotauge:

Und ich finde es erschütternd, dass ein Land wie Deutschland noch immer kein sicheres Endlager für seinen Atommüll hat.

Atinuviel
26-04-2016, 19:56
Da informiert ARTE aber falsch, RBMK-Reaktoren gibt es nur noch in Russland und selbst die dortigen Exemplare wurden seit Tschernobyl allesamt nachgerüstet/umgebaut. Reaktoren wie die in Prypjat gibt es auf der Welt nicht mehr.

Little_Ally
26-04-2016, 20:02
Dann hat sich der ukrainische Umweltaktivist der interviewt worde geirrt oder er wurde falsch übersetzt. :nixweiss: Danke für die Klarstellung.

Little_Ally
26-04-2016, 21:49
[QUOTE=bammbamm;44690484]hab neulich ne ziemlich gute doku zum thema endlagerung gesehen, "die reise zum sichersten ort der erde"

YDcBJghIq0A

(wer maxdome hat dort ist er gerade in der videothek)[/QUOTE]

Läuft jetzt auf ARTE, falls es jemanden interessiert.

*Blue*
28-04-2016, 08:04
hab gestern abend leider etwas zu spät bei einfestival in die Doku "Die Wolke" von 2011 geschaltet.
edit - sehe gerade, dass die Doku wohl am Samstag auf phoenix wiederholt wird

denke, ich hab das sogar vor 5 jahren schon gesehen - aber trotzdem wieder interessant.

unglaublich, dass sich Schäuble, dieser Lügner, nach wie vor auf einem posten hält.
überhaupt wie da gelogen wurde in Dtl. und noch mehr in Frankreich - komisch, dass Leute heute glauben, dass es jetzt alles ehrlicher ist.



die doku wurde wohl vor F. gedreht. nach F hören sich ein paar Aussagen noch viel irrer an. mir bleibt immer wieder die spucke weg, mit welcher unverfrorenheit da wahrheiten verdreht oder komplett ignoriert werden.

denn selbst wenn es tatsächlich eine 100% sicherheit für die kraftwerke in Dtl. gäbe - dann kann einfach NIEMAND sagen, was in 1000 Jahren mit dem Abfall passiert und wie der gesichert werden soll.

das ist doch der ganz banale unterschied zu jeder anderen art von energiegewinnung.
ich kann nicht begreifen, wie das irgendwer nicht begreifen kann oder will.



ich werd nie vergessen, wie ich mit einem Physiklehrer über eine Wiese gelaufen bin - er mit dem Geigerzähler aus der Schule in der Hand - und er war echt verzückt (:dada:) - das Ding war aktiv, wie er es nie zuvor erlebte. ich werd das Geräusch nie vergessen - wie es ratterte.
Sonst führe er manchmal mit seinen Schülern zum nächsten AKW und liefe dort über die Wiesen - aber da sei immer kaum ein Ausschlag zu messen gewesen VOR dem 26.4.
Er meinte dann nur, dass die Zahlen im TV alle nicht stimmen können - wenn es hier in einer mittelbelasteten Region schon so aktiv ist - aber man merkte auch, dass er es superspannend fand, das mal live und nicht unter laborbedingungen zu erleben

Proteus
28-04-2016, 08:34
[QUOTE=SnakeX;44690618]wie sieht das eigentlich mit Haftung für Umweltschäden aus?
sind da jemals Entschädigungszahlungen von den Verursachern in die betroffenen Länder geflossen?[/QUOTE]

Das Interessante ist, dass die Umwelt im Prinzip von Tschernobyl stark profitiert hat ...
während die Strahlung für eine erneute Dauerbesiedlung durch den Menschen zu hoch ist, scheinen andere Tiere, sowie Pflanzen, mit der Strahlung besser zurechtzukommen.
Dank der Tatsache dass die Gegend nun seit 30 Jahren von Menschen so gut wie unberührt ist, haben sich dort sehr viele Wildtiere niedergelassen, unter anderem auch seltene Species wie die Przewalski-Pferde.

Der GAU hat die Gegend quasi zu einem Naturreservat gemacht

http://www.telegraph.co.uk/news/earth/earthpicturegalleries/4944501/Wildlife-thrives-at-Chernobyl.html
http://www.bbc.com/earth/story/20160421-the-chernobyl-exclusion-zone-is-arguably-a-nature-reserve

bammbamm
28-04-2016, 08:40
[QUOTE=Blu3;44696602]hab gestern abend leider etwas zu spät bei einfestival in die Doku "Die Wolke" von 2011 geschaltet.
edit - sehe gerade, dass die Doku wohl am Samstag auf phoenix wiederholt wird

denke, ich hab das sogar vor 5 jahren schon gesehen - aber trotzdem wieder interessant.

unglaublich, dass sich Schäuble, dieser Lügner, nach wie vor auf einem posten hält.
überhaupt wie da gelogen wurde in Dtl. und noch mehr in Frankreich - komisch, dass Leute heute glauben, dass es jetzt alles ehrlicher ist.



die doku wurde wohl vor F. gedreht. nach F hören sich ein paar Aussagen noch viel irrer an. mir bleibt immer wieder die spucke weg, mit welcher unverfrorenheit da wahrheiten verdreht oder komplett ignoriert werden.

denn selbst wenn es tatsächlich eine 100% sicherheit für die kraftwerke in Dtl. gäbe - dann kann einfach NIEMAND sagen, was in 1000 Jahren mit dem Abfall passiert und wie der gesichert werden soll.

das ist doch der ganz banale unterschied zu jeder anderen art von energiegewinnung.
ich kann nicht begreifen, wie das irgendwer nicht begreifen kann oder will.



ich werd nie vergessen, wie ich mit einem Physiklehrer über eine Wiese gelaufen bin - er mit dem Geigerzähler aus der Schule in der Hand - und er war echt verzückt (:dada:) - das Ding war aktiv, wie er es nie zuvor erlebte. ich werd das Geräusch nie vergessen - wie es ratterte.
Sonst führe er manchmal mit seinen Schülern zum nächsten AKW und liefe dort über die Wiesen - aber da sei immer kaum ein Ausschlag zu messen gewesen VOR dem 26.4.
Er meinte dann nur, dass die Zahlen im TV alle nicht stimmen können - wenn es hier in einer mittelbelasteten Region schon so aktiv ist - aber man merkte auch, dass er es superspannend fand, das mal live und nicht unter laborbedingungen zu erleben
[/QUOTE]

hab neulich ne schöne darstellung gesehen was eine millionen jahre halbwertszeit überhaupt bedeutet. in einer millionen jahre werden kontinente um 20 km gewandert sein und der himalaya ist 4 km höher (ohne erosion zu berücksichtigen) und selbst dann ist das zeug noch hochradioaktiv (halbwertszeit bedeutet ja nur eine verringerung um 50%). wer da wirklich glaubt das wäre für den menschen beherrschbar hat einen an der klatsche

bammbamm
28-04-2016, 08:43
[QUOTE=Proteus;44696671]Das Interessante ist, dass die Umwelt im Prinzip von Tschernobyl stark profitiert hat ...
während die Strahlung für eine erneute Dauerbesiedlung durch den Menschen zu hoch ist, scheinen andere Tiere, sowie Pflanzen, mit der Strahlung besser zurechtzukommen.
Dank der Tatsache dass die Gegend nun seit 30 Jahren von Menschen so gut wie unberührt ist, haben sich dort sehr viele Wildtiere niedergelassen, unter anderem auch seltene Species wie die Przewalski-Pferde.

Der GAU hat die Gegend quasi zu einem Naturreservat gemacht

http://www.telegraph.co.uk/news/earth/earthpicturegalleries/4944501/Wildlife-thrives-at-Chernobyl.html
http://www.bbc.com/earth/story/20160421-the-chernobyl-exclusion-zone-is-arguably-a-nature-reserve[/QUOTE]

in ner doku haben sie gesagt das tiere oft nicht alt genug werden um unter den langzeitschäden zu leiden, aber schädigungen im erbgut wurden auch schon festgestellt. ist also nur eine oberflächliche idylle

*Blue*
28-04-2016, 08:44
[QUOTE=Proteus;44696671]Das Interessante ist, dass die Umwelt im Prinzip von Tschernobyl stark profitiert hat ...
während die Strahlung für eine erneute Dauerbesiedlung durch den Menschen zu hoch ist, scheinen andere Tiere, sowie Pflanzen, mit der Strahlung besser zurechtzukommen.
Dank der Tatsache dass die Gegend nun seit 30 Jahren von Menschen so gut wie unberührt ist, haben sich dort sehr viele Wildtiere niedergelassen, unter anderem auch seltene Species wie die Przewalski-Pferde.

Der GAU hat die Gegend quasi zu einem Naturreservat gemacht

http://www.telegraph.co.uk/news/earth/earthpicturegalleries/4944501/Wildlife-thrives-at-Chernobyl.html
http://www.bbc.com/earth/story/20160421-the-chernobyl-exclusion-zone-is-arguably-a-nature-reserve[/QUOTE]


daran halt ich mich auch fest.
dass sich lebensformen entwickeln, die mit der strahlung klar kommen.
bzw. mal 10 Mio Jahre kein Leben da ist - oder nur ganz rudimentäres leben - kleinlebewesen, insekten.
nach 50 Mio Jahren gibt es sicher wieder sowas wie Säugetiere. die erdzeiträume sind lang ...
es ist dann halt irgendwann ohne menschen - aber es ist alles hier auf der erde irgendwann ohne menschen.
so wird dieser zeitraum, der menschlose, eben nur früher beginnen.

da ich den menschen nicht als krönung der schöpfung sehe (obwohl ich gläubig bin), sondern nur ein lebewesen unter vielen - ist es eigentlich nicht sooo schlimm.
aber irgendwie doch traurig. weil wir es uns eben selbst versauen werden.

*Blue*
28-04-2016, 08:53
OT


ich hab TWD gesehen -und lese jetzt "Tagebuch der Apokalypse"
in beiden Fällen - also Serie wie Buch wird völlig ausgeblendet, dass kein Mensch irgendeine Chance hat zu überleben, wenn die öffentliche Ordnung zusammenbricht -

Zombies werden dann unser kleinstes Problem.
denn das erste was passiert sind Kernschmelzen in jedem unbeaufsichtigtem AKW weltweit - also Überall.

aber wenn man das in einer fiktiven geschichte berücksichtigen würde - dann gäbs ja keine geschichte :D

fraktal
28-04-2016, 09:25
[QUOTE=Blu3;44696698]OT


ich hab TWD gesehen -und lese jetzt "Tagebuch der Apokalypse"
in beiden Fällen - also Serie wie Buch wird völlig ausgeblendet, dass kein Mensch irgendeine Chance hat zu überleben, wenn die öffentliche Ordnung zusammenbricht -

Zombies werden dann unser kleinstes Problem.
denn das erste was passiert sind Kernschmelzen in jedem unbeaufsichtigtem AKW weltweit - also Überall.

aber wenn man das in einer fiktiven geschichte berücksichtigen würde - dann gäbs ja keine geschichte :D

[/QUOTE]


Das Buch, vor allem die Art und weise wie es geschrieben ist, finde ich klasse. ;)
Der Typ ist straight und geht alle Probleme mit Verstand und Herz an, ich mag den!

Abgesehen davon, natürlich führt der Zusammenbruch der Zivilisation NICHT dazu das kein Mensch überleben kann.
Es gab zu jeder Zeit in der Menschheitsgeschichte genügend Individuen die ohne diese Segnungen ganz gut klarkamen.



Zu Tschernobyl:

Die erstaunlichte Erkenntnis ist, dass die Biologie dort sehr viel besser mit der Strahlung klarkommt als man erwartet hatte.
Am schlimmsten betraf es die zum Zeitpunkt der Katastrophe lebenden Individuen.
In der ersten Generation danach gab es massive Erbschäden, die aber nicht so katastrophal waren das sie zum Aussterben von Arten führten.
Weitere Generationen scheinen kaum noch betroffen zu sein.
Das führt zur Erkenntnis, das es langlebige Organismen weitaus am stärksten trifft.
Übrigens konnte man das schon auf Bikini und an anderen Bomben-Testorten sehen.
Auch dort sind die befürchteten Horror Mutationen nicht aufgetreten.
Überhaupt scheint es dort (Bikini) keine feststellbare, Erbgutveränderung zu geben, weder positiv noch negativ. Das finde ich äusserst erstaunlich und das sollte unbedingt erforscht werden.

Woher diese Regenerationsfähigkeit kommt, darüber gibt es interessante Theorien.
Z.B. gab es wohl des öfteren in der Erdgeschichte heftige Belastungen durch kosmische Strahlung.
Das dürfte einen starken evolutionären Vektor hinsichtlich Anpassung dagegen ausgelöst haben.

Die Entwicklung rund um den Katastrophenreaktor gehört zum Interessantesten was es gibt.

Übrigens, auch wenns OT ist, es gab auch schon "natürliche Reaktorunfälle" in grauer Vorzeit, gegen den unsere künstlichen winzig wirken. Allerdings gabs damals noch keine Menschen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Naturreaktor_Oklo

Atinuviel
28-04-2016, 13:56
[QUOTE=bammbamm;44696681]hab neulich ne schöne darstellung gesehen was eine millionen jahre halbwertszeit überhaupt bedeutet. in einer millionen jahre werden kontinente um 20 km gewandert sein und der himalaya ist 4 km höher (ohne erosion zu berücksichtigen) und selbst dann ist das zeug noch hochradioaktiv (halbwertszeit bedeutet ja nur eine verringerung um 50%). wer da wirklich glaubt das wäre für den menschen beherrschbar hat einen an der klatsche[/QUOTE]
Das wissen wir ja alles. Verschiebung der Kontinentalplatten (was sowieso eher irrelevant ist), Vergletscherungen während der nächsten Eiszeit, kann man alles einkalkulieren (hat man auch getan) und dementsprechend haben sich auch schon eine Handvoll geeigneter Orte gefunden.

Yucca Mountain in Nevada wartet quasi nur auf eine Freigabe durch den Kongress, der Standort wurde von mehreren Studien als geeignet eingestuft, verhindert wurde das nur aus politischen Gründen. Onkalo in Finnland wird derzeit gebaut, mit einer Millionen Jahren sicherem Einschluss kann man da ohne Probleme rechnen, ab 2020 wird der Müll eingelagert, 2120 ist das Ding voll und wird verschlossen. Andere Länder sind da klüger und behandeln den Müll als das, was er eigentlich ist, nämlich als potenziellen Rohstoff. Oberirdische oder stetig zugängige unterirdische Lagerung für ein paar Jahrhunderte oder auch nur Jahrzehnte, bis Transmutationstechnik ausgereifter ist. Schweden hat das derzeit vor (zwei potenzielle Standorte für eine Endlagerung haben die übrigens auch gefunden).

Eine Endlagerung ist natürlich möglich, die Frage ist eher ob sie in ein paar Jahrzehnten/Jahrhunderten überhaupt noch NÖTIG ist, wenn 2020 J-PARC in Japan und 2023 der MYRRHA-Reaktor in Belgien fertig werden, die ersten als Transmutationsanlagen dienenden Versuchsreaktoren. Die Technik macht Fortschritte und von Reaktoren der vierten Generation reden wir da noch gar nicht.

*Blue*
28-04-2016, 15:23
[QUOTE=Atinuviel;44697416]Das wissen wir ja alles. Verschiebung der Kontinentalplatten (was sowieso eher irrelevant ist), Vergletscherungen während der nächsten Eiszeit, kann man alles einkalkulieren (hat man auch getan) und dementsprechend haben sich auch schon eine Handvoll geeigneter Orte gefunden.

Yucca Mountain in Nevada wartet quasi nur auf eine Freigabe durch den Kongress, der Standort wurde von mehreren Studien als geeignet eingestuft, verhindert wurde das nur aus politischen Gründen. Onkalo in Finnland wird derzeit gebaut, mit einer Millionen Jahren sicherem Einschluss kann man da ohne Probleme rechnen, ab 2020 wird der Müll eingelagert, 2120 ist das Ding voll und wird verschlossen. Andere Länder sind da klüger und behandeln den Müll als das, was er eigentlich ist, nämlich als potenziellen Rohstoff. Oberirdische oder stetig zugängige unterirdische Lagerung für ein paar Jahrhunderte oder auch nur Jahrzehnte, bis Transmutationstechnik ausgereifter ist. Schweden hat das derzeit vor (zwei potenzielle Standorte für eine Endlagerung haben die übrigens auch gefunden).

Eine Endlagerung ist natürlich möglich, die Frage ist eher ob sie in ein paar Jahrzehnten/Jahrhunderten überhaupt noch NÖTIG ist, wenn 2020 J-PARC in Japan und 2023 der MYRRHA-Reaktor in Belgien fertig werden, die ersten als Transmutationsanlagen dienenden Versuchsreaktoren. Die Technik macht Fortschritte und von Reaktoren der vierten Generation reden wir da noch gar nicht.[/QUOTE]



Japan und Belgien als Vorbilder bzgl. Umgang mit Kernkraft zu nennen gebirt nicht eines gewissen Humors :helga:


spass beiseite
das ist die andere hoffnung die ich habe
dass es der lagerung nicht bedarf, sondern wir etwas entdecken, woran heute noch keiner denkt.

vor 150 jahren war NY sicher, im Pferdemüll zu ersticken - und dann kam alles anders.

ich bin ja ganz tief in mir drin eigentlich ein optimistischer Mensch :D

Flavia16
29-04-2016, 10:44
Alle Belgier erhalten vorsorglich Jodtabletten :ko:
[QUOTE]Nach mehreren Pannen forderten Deutschland und Luxemburg von Belgien, zwei Atomreaktoren vom Netz zu nehmen. Doch Brüssel lässt die Anlagen weiterlaufen – und verteilt stattdessen Jodtabletten.

Belgien will an seine rund elf Millionen Einwohner kostenlos Jodtabletten verteilen, um sie vor gesundheitlichen Schäden im Falle eines Atomunfalls zu schützen. Das kündigte die belgische Gesundheitsministerin Maggie De Block laut einem Bericht der Zeitung "La Libre Belgique" vom Donnerstag im Parlament an. Die Jodtabletten sollen die Schilddrüse vor radioaktiver Verstrahlung schützen.

Die belgische Regierung setzt mit dem Beschluss eine Empfehlung des belgischen Gesundheitsrats um. Dieser hatte eine Verteilung von Jodtabletten an alle Menschen empfohlen, die in einem Umkreis von hundert Kilometern um eine atomare Einrichtung wohnen.[/QUOTE]

http://www.welt.de/politik/ausland/article154850444/Alle-Belgier-erhalten-vorsorglich-Jodtabletten.html

Atinuviel
29-04-2016, 14:45
Keine sonderlich ungewöhnliche Maßnahme, in der Schweiz wird das schon seit 2004 regelmäßig getan. Fukushima als Begründung für Iodtabletten im Umkreis von 100 Kilometern ist aber sehr seltsam, inzwischen sind einige der Meinung, dass bereits die 20-Kilometer-Evakuierungs-Zone um Fukushima zu groß war.

caesar
30-04-2016, 07:00
Was die Erde mehr beschäftigen wird als ein weiterer Super-Gau längerfristig, ist die Endlagerung. Selbst wenn man jetzt sämtliche Atomkraftwerke abschalten würde, gibt es schon heute Unmengen an Atommüll.

Bis jetzt gibt es leidlich Zwischenlagerung und keine Endlagerung. Nach dem Motto "Not in my backyard" ist man zwar grundsätzlich für die Endlagerung, aber nicht vor der Haustüre.

Teilweise hat der Atommüll Halbwertszeiten von Huntertausenden Jahren, und wie man so lange planen will, das ist doch eine Herausforderung.

Tschernobyl und Fukushima haben ja gezeigt, dass solche Katastrophen nicht per se zerstörerisch sind, und dass sich die Natur durchaus anpassen kann an die Strahlung. Dazu hat die Natur in der Sperrzone seine Ruhe ohne Gefahr menschlicher Eingriffe.

Mittlerweile gibt es in Tschernobyl ein Naturparadies selbst mit Grossraubtieren wie Wölfen oder Bären.

Atinuviel
30-04-2016, 13:45
Endlagerung ist zu 99% ein politisches und kein technisches Problem. Es gibt geeignete Endlager, aber in Deutschland haben diverse Quatschparteien und Quatschorganisationen ja gar kein Interesse an einem Endlager oder auch nur an einer ernsthaften Suche nach einem Endlager, weil man dann ja vielleicht feststellen würde, dass Gorleben sich ziemlich gut eignet, was auch diverse Studien bestätigen. Dann hätte man nichts mehr worüber man sich aufregen könnte und müsste zugeben, dass man die letzten drei Jahrzehnte nur Schwachsinn verzapft, die Bevölkerung belogen und Unmengen an Steuergeldern verschwendet hat. Kann mir doch kein Mensch erzählen, dass die SPD oder die Grünen jetzt noch ernsthaft nach einem Endlager suchen, am Ende könnte das ja noch in BaWü liegen oder NRW, man will ja auch wiedergewählt werden. Wiederaufbereitung oder MOX-Brennelemente will man natürlich auch nicht, selbes Problem, warum Plutonium verbrauchen wenn man noch mehr erzeugen kann um sich ein Problem zu schaffen, mit dem man Wähler ködern kann? Transmutationsforschung oder Reaktoren der vierten Generation? Lieber nicht, könnten das Problem ja beheben, lieber die Forschungsgelder kürzen.

In Deutschland, wahrscheinlich das technik- und fortschrittsfeindlichste Land Europas, glauben die Menschen aber leider lieber Greenpeace und den Grünen weil die schön einfache Antworten liefern: Eine Millionen Jahre sind lang, das geht gar nicht! Klingt einleuchtend, ist aber totaler Blödsinn, weil eine Millionen Jahre vielleicht in menschlichen Maßstäben lang sind, in geologischen Maßstäben aber ein absoluter Witz. In Gorleben findet sich Wasser, das über 200 Millionen Jahre lang von der Biosphäre abgeschnitten war, dagegen verblasst die nötige Endlagerungszeit.

Das musste mal raus!

Dirk
03-05-2016, 20:32
Falls wer zum Thema Tschernobyl-Katastrophe und Rund um Kernreaktortechnik einen Podcast suchen sollte:
https://resonator-podcast.de/2016/res085-kernkraftwerke/
Neben der 2 Std Version gibt es auch eine 16Min Variante ;)

Es wird relativ gut und einfach (wenn man sich für Technik etwas begeistern kann) die Thematik besprochen und auch wie es zur Havarie von Tschernobyl kommen konnte. Das Thema Endlager wird auch angeschnitten.

hans
04-05-2016, 06:29
[QUOTE=bammbamm;44696686]in ner doku haben sie gesagt das tiere oft nicht alt genug werden um unter den langzeitschäden zu leiden, aber schädigungen im erbgut wurden auch schon festgestellt. ist also nur eine oberflächliche idylle[/QUOTE]

die spezies haben sehr unterschiedlich drauf reagiert.
könnte mit dem ausmass des prozentsatzes an trash-dna zusammenhängen, also genetischer code, der nicht aktiv ist und nur platz verbraucht. das verringert die wahrscheinlichkeit, dass wichtige codes zerstört werden.
ein weiteres muster bei einigen arten war, dass die sterblichkeit höher wurde, aber die gesunden fruchtbar und mindestens so gesund wie immer.
höhere sterblichkeit ist für menschen aber kaum tragbar, jedenfalls wo es passiert, ein grosses politikum, siehe rauchverbot.

mehrere quellen behaupten, dass enorm viele konsequenzen totgeschwiegen wurden, zb millionen zusätzliche krebstote und fehlgeburten über längere zeit.

Atinuviel
04-05-2016, 12:01
Gott sei Dank behauptet das keine einzige halbwegs seriöse Quelle.