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Justine
12-10-2003, 00:14
Susan Sontag!
Auszug aus SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,269385,00.html):

Susan Sontag lobt Schröder und attackiert Walser

Die US-Intellektuelle Susan Sontag, diesjährige Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, hat sich von der These ihres Vorgängers Martin Walser distanziert, nach der sich Deutschland nicht länger mit dem Holocaust und der Nazi-Zeit auseinander setzen müsse. Lobende Worte fand sie für die Außenpolitik Gerhard Schröders.


Frankfurt/Main - Wenn Walser offensichtlich glaube, Deutschland müsse einen Schlussstrich unter seine Vergangenheit ziehen, sei sie "komplett anderer Meinung", sagte die amerikanische Autorin am Samstag vor Journalisten auf der Frankfurter Buchmesse. Die für ihre kritischen Essays berühmte Intellektuelle aus New York wird an diesem Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegen nehmen.
Deutschland habe beim Umgang mit seiner Vergangenheit "einzigartige Anstrengungen" unternommen, sagte Sontag. Dies werde gerade von "weltlichen Juden" sehr geschätzt, sagte die 70-Jährige, die selbst Jüdin ist. Das dürfe jedoch nicht bedeuten, das der Holocaust künftig kein Thema mehr sei. "Was Deutschland so großartig macht, ist eben, dass es kein normales Land ist".

Sontags Vorgänger Walser hatte 1998 bei der Verleihung der Auszeichnung in seiner umstrittenen Dankesrede in der Frankfurter Paulskirche die ständige Thematisierung der Judenvernichtung als "Moralkeule" bezeichnet und vor einer Instrumentalisierung von Auschwitz gewarnt. Damit hatte der Schriftsteller über Deutschland hinaus für Diskussionen gesorgt.

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In der Entscheidung, den Friedensnobelpreis an die Iranerin Schirin Ebadi zu vergeben, sieht Sontag ein "Zeichen der Ermutigung" für die demokratischen und pluralistischen Kräfte im Iran. Auch zum Thema Nahost-Konflikt äußerte sie sich auf der Pressekonferenz in Frankfurt. Nach ihrer Einschätzung ist der Konflikt inzwischen "so kompliziert", dass die einzige Lösung des Problems ein binationaler Einheitsstaat für Palästinenser und Juden sein könne.

Zur ihrer Wahl als diesjährige Friedenspreisträgerin sagte Sontag, sie habe anfangs gar nicht glauben können, dass sie dieselbe Auszeichnung erhalten solle wie Albert Schweitzer, Hermann Hesse oder Karl Jaspers. Als Belohnung für ihren Widerstand gegen die Bush-Regierung sehe sie den Preis nicht. An ihrer Rede für die Verleihung am Sonntag hat die 70-Jährige nach eigener Darstellung wochenlang gearbeitet: "Ich hoffe, sie stößt auf Interesse".

G.Luck
12-10-2003, 09:57
Nun geht die Diskussion wieder los. Gut oder schlecht, was meint ihr?

merz
12-10-2003, 10:25
Das bin ich meinem Avatar schuldig...

[quote]Am kommenden Sonntag (also heute, merz) wird Susan Sontag in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegennehmen. Unbestritten wird damit eine der bedeutendsten Stimmen Amerikas geehrt. Doch der Preis, er gilt uns irgendwie allen. Denn in ihren Werken und Wirken hat Sontag stets nur die westliche Zerrissenheit verkörpert. Mediengesellschaft und Erlebniskultur haben uns schizophren werden lassen. Die Kritik an der eigenen Begeisterung gehört da nicht nur bei Susan Sontag längst mit zum guten Ton.[/quote]

Kritische Würdigung im Freitag (http://www.freitag.de/2003/42/03420901.php), pure Lobhudelei wäre ihr nicht angemessen...


edit: Ähm. :rolleyes: Kann man dies mit dem (http://www.ioff.de/showthread.php?s=&postid=1713431#post1713431) zusammenführen.

merz
12-10-2003, 10:47
Übrigens wird die Preisverleihung & Rede ab 11:00 von der ARD übertragen.

G.Luck
12-10-2003, 17:06
Nun wissen wir mehr.

FRIEDENSPREISTRÄGERIN SONTAG

"Bushs verbitterter Unmut"

Sie wettert gegen "imperialistische Tendenzen" in den USA, bezeichnet Wahlgewinner Schwarzenegger als "Witzfigur", lobt den Pazifismus der Deutschen: Die amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag wurde in Frankfurt mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Der US-Botschafter hatte eine Teilnahme abgelehnt.




Preisträgerin Sontag: "Manchmal muss ich mich kneifen"


Frankfurt - Sontag kritisierte am Sonntag in ihrer mit Spannung erwarteten Rede das "imperiale Programm" von Präsident George W. Bush. Die Kluft zwischen dem alten und dem neuen Kontinent lasse sich in der unmittelbaren Zukunft nicht schließen, "und doch kann man diejenigen nur verurteilen, die diese Unterschiede noch vergrößern wollen, während wir doch tatsächlich so viel gemeinsam haben", sagte Susan Sontag, 70, in der Frankfurter Paulskirche. Dort erhielt die als scharfe Kritikerin der Bush-Regierung bekannte Intellektuelle als 54. Preisträgerin den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
Vor ihrer Rede hatte Sontag die Abwesenheit von US-Botschafter Daniel Coats kritisiert, der mit der Ablehnung der Einladung zur Preisverleihung deutlich gemacht habe, "dass ihm an einer Bekräftigung der ideologischen Position und des verbitterten Unmuts der Regierung Bush mehr liegt als daran, die Interessen und das Ansehen seines - und meines - Landes zu vertreten, indem er einer normalen Diplomatenpflicht nachkommt".

mehr (http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,269480,00.html)