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  1. #1

    Völkermord an den Herero: Deutschland entschuldigt sich offiziell bei Namibia

    Kleiner Tipp an die Türkei, das wäre beispielsweise ein Weg mit dem Völkermord an den Armeniern umzugehen. Sich entschuldigen!

    Aber zum Thema:

    In der kaiserlichen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, wurden bei der extrem blutigen Niederschlagung eines Aufstandes zwischen 1904 und 1908 mehr als 75.000 Angehörige der Volksgruppen Herero und Nama von deutschen Truppen getötet. Nach langen Verhandlungen wird es nun eine offizielle Entschuldigung geben:

    ...Geplant ist eine gemeinsame Erklärung der Regierungen und Parlamente Deutschlands und Namibias, in der die Massaker ausdrücklich als Völkermord bezeichnet werden. Bundespräsident Joachim Gauck soll sich bereit erklärt haben, dann die offizielle Entschuldigung auszusprechen. Darüber hinaus soll eine deutsch-namibische "Zukunftsstiftung" ins Leben gerufen werden. Außerdem soll es neue Infrastrukturprojekte wie Meerwasser-Entsalzungsanlagen geben. ...

    Spiegelartikel zu den Vorkommnissen in den Jahren 1904 bis 1908.


    Wir seh'n mit Grausen ringsherum:
    Die Leute werden alt und dumm.
    Nur wir allein im weiten Kreise,
    Wir bleiben jung und werden weise.

    Eugen Roth

  2. #2
    Zitat Zitat von Little_Ally Beitrag anzeigen
    Kleiner Tipp an die Türkei, das wäre beispielsweise ein Weg mit dem Völkermord an den Armeniern umzugehen. Sich entschuldigen!...
    nach über hundert jahren eine lauwarme entschuldigung ohne zusage von entschädigungen ist nun wahrlich kein grund gute ratschläge "unsererseits" zu verteilen- eher beschämend.

    und wie stets eigentlich mit "unseren" anderen ehemaligen kolonien oder den westlichen "superdemokratien" und ehemaligen kolonialmächten USA, grossbritannien, frankreich, niederlande, belgien, spanien etc. sollten wir da nicht auch gute ratschläge verteilen?
    Warnung! Bei diesem Beitrag könnte es sich um Satire handeln.

  3. #3
    Zitat Zitat von homunkulus Beitrag anzeigen

    und wie stets eigentlich mit "unseren" anderen ehemaligen kolonien oder den westlichen "superdemokratien" und ehemaligen kolonialmächten USA, grossbritannien, frankreich, niederlande, belgien, spanien etc. sollten wir da nicht auch gute ratschläge verteilen?
    Greatbritain hat vor 30 jahren noch einen Krieg geführt, weil sie meinen am anderen Ende der Welt, an der Küste Argentiniens, da sei eine Insel die ihnen gehört. Die Kolonialstaaten haben der Welt bis heute viel "Freude" gemacht, siehe ARD-Doku 100 Jahre Krieg in NahOst.

  4. #4
    Zitat Zitat von homunkulus Beitrag anzeigen
    nach über hundert jahren eine lauwarme entschuldigung ohne zusage von entschädigungen ist nun wahrlich kein grund gute ratschläge "unsererseits" zu verteilen- eher beschämend.
    Es steht dir frei, eine Stiftung zu gründen zur Entschädigung der Ururenkel der Ermordeten oder für Projekte in Namibia, in die du natürlich selbst fleißig einzahlen kannst. Denn du hast natürlich recht: in zweiter Linie geht's bei solchen Angelegenheiten um eine Entschuldigung, in erster um Geld.

  5. #5
    homo novus Avatar von caesar
    Ort: milchstrasse
    wann entschuldigen sich gb, frankreich, italien, belgien, spanien oder portugal für ihre kolonialgeschichte?

    im vergleich dazu war das deutsche kaiserreich nur ein kleiner fisch, der sich noch an der resterampe bediente.

    der indochina- oder algerienkrieg im 20. jahrhundert war sehr viel brutaler als das, was da in namibia passierte.
    das melken eines leeren euters bewirkt nur,
    das man vom melkstuhl gestossen wird.

    rise and rise again until the lambs become to lions.

  6. #6
    https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B...erero_und_Nama

    Der durch Existenzängste geschürte Aufstand begann im Januar 1904 mit dem Angriff der Ovaherero unter Samuel Maharero auf deutsche Einrichtungen und Farmen. Da die Schutztruppe der Kolonie dem anfangs nicht gewachsen war, entsandte die Reichsleitung daraufhin umgehend Verstärkung. Durch etwa 15.000 Mann unter dem Befehl von Generalleutnant Lothar von Trotha wurde der Aufstand der Herero dann bis zum August 1904 niedergeworfen.
    Man sollte übrigens noch erwähnen, dass die Herero mit englischen Gewehren ausgerüstet waren. Das könnte daran liegen, dass Deutschland zwei Jahre zuvor die Buren beim Kampf gegen England unterstützt hat.

    Egal, das Kaiserreich hat damals gegenüber den Herero zweifellos überreagiert und sich auf das Niveau der britischen Kolonialpolitik herabbegeben und das ist ihm mit Sicherheit vorwerfbar. Ob es dem damaligen Zeitgeist entsprach, lässt sich aus heutiger Sicht nicht mehr rekonstruieren. Die deutschen Farmer, die damals von den Herero ermordet wurden, stehen leider auch nicht mehr für ein Interview zur Verfügung.

    Eine Überlebende hat ein Buch geschrieben, aber sowas liest heutzutage keiner mehr: https://www.amazon.de/Schicksal-Else.../dp/393203029X

  7. #7
    Die Geschichte weist eine weitere Parallele auf: Zehn Jahre später hat Lawrence von Arabien mit englischen Gewehren einen Araberaufstand im osmanischen Reich ausgelöst, der den Arabern die Freiheit bringen sollte. Nach dem Krieg wurden die Gebiete jedoch zwischen England und Frankreich aufgeteilt. Dieser Betrug an den Arabern bildet den Grundstein des Nahostkonflikts, den wir heute in anderer Form immer noch haben.

    Das Auslösen von Aufständen durch Waffenlieferungen an Rebellen und Terroristen, ist offenbar schon lange in Mode.
    Geändert von mark49 (23-07-2016 um 10:11 Uhr)

  8. #8
    Zitat Zitat von Little_Ally Beitrag anzeigen
    Kleiner Tipp an die Türkei, das wäre beispielsweise ein Weg mit dem Völkermord an den Armeniern umzugehen. Sich entschuldigen.

    Zitat Zitat von beautiful.south Beitrag anzeigen
    ...du hast natürlich recht: in zweiter Linie geht's bei solchen Angelegenheiten um eine Entschuldigung, in erster um Geld.
    beautiful
    Warnung! Bei diesem Beitrag könnte es sich um Satire handeln.

  9. #9
    Zitat Zitat von homunkulus Beitrag anzeigen
    nach über hundert jahren eine lauwarme entschuldigung ohne zusage von entschädigungen ist nun wahrlich kein grund gute ratschläge "unsererseits" zu verteilen- eher beschämend.

    How to escape all these things....
    2.Timotheus 1
    Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,
    sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.



  10. #10
    Zitat Zitat von homunkulus Beitrag anzeigen
    beautiful
    Tja, gell?
    Und am allerbeautifulsten ist, dass es die Betroffenen so sehen, das gar nicht auf meinem Mist gewachsen ist:

    http://www.stuttgarter-zeitung.de/in...1394b7822.html

    Auch Zedika Ngavirue, der Sonderbeauftragte Namibias für die Verhandlungen mit Deutschland, betonte im ZDF, sein Land erwarte, „dass der Völkermord erstens anerkannt wird und dass sich Deutschland zweitens dafür entschuldigt. Und dann wollen wir zum dritten, zum wichtigsten Punkt kommen: Der Frage der Reparationen.“

    Gut, ich lag falsch: In dritter Linie geht's um den Zaster, aber die Gewichtung der Punkte.....

  11. #11
    Pan narrans Avatar von Proteus I.O.F.F. Team
    Ort: Essen
    Das ist eben auch die gute Frage ... wie lange soll ein Anspruch auf Reparationen bestehen?

    Wenns über die Lebenszeit der Opfer hinausgeht, dann müssten die amerikanischen Ureinwohner ja erst Recht auf Reparationen haben (und erheblich mehr ... bedenkt man wieviel mehr Unrecht ihnen getan wurde mit Landraub und Abschlachtungen) ... nur, warum dort stoppen? Haben nicht auch die Nachkommen der Mayas, Inkas und Azteken Anspruch auf Entschädigungen gegen die spanische Regierung?
    Und Juden, Karthager und Griechen Anspruch auf Entschädigung gegenüber der italienischen Regierung (als Nachfolger des römischen Reiches)?
    "We have just folded space from Ix...Many machines on Ix. New machines"

  12. #12
    Ich denke eher, man sollte die Chance einer freundlichen Zusammenarbeit prüfen, die durch eine finanzielle Zuwendung gefördert werden könnte.
    Das bedeutet aber eine menschliche Beziehung, die zwischen Völkern aufgebaut wird. Beidseitig. Andernfalls ist es komplett sinnlos, und das Geld wird verputzt und die Abneigung besteht weiter.
    Das Netz hat keine Obergrenze.. Das Schöne: Im Netz ist jede Aussage wahr. -- Nur die Fragen, die im Prinzip unentscheidbar sind, können wir entscheiden. (Heinz von Foerster)
    http://www.antiquealive.com/Blogs/Ha...ean_House.html

  13. #13
    Die Herero haben den Aufstand damit begonnen 123 deutsche Farmer, darunter 5 Frauen, zu ermorden. Den Opfern wurden z.T. bei lebendigem Leib Nasen, Ohren und "sonstige Gliedmaßen" abgeschnitten und die Augen ausgestochen. Sollte es diesbezüglich ein Informationsdefizit auf Seiten Namibias geben, so könnte man von staatlicher Seite aus bestimmt Einsicht in deutsche Archive gewähren.

    Dass die Herero mit englischen Waffen ausgestattet waren und nach der Niederlage am Waterberg ins britische Botswana geflüchtet sind, wo die Engländer ihnen für diesen Fall Asyl zugesichert hatten, habe ich bereits erwähnt.

    Wieviel Geld genau, soll Deutschland nun 112 Jahre später an Namibia zahlen?

  14. #14
    gesperrt
    Ort: Im 100'000-Einwohner-Dorf
    Zitat Zitat von mark49 Beitrag anzeigen
    Die Herero haben den Aufstand damit begonnen 123 deutsche Farmer, darunter 5 Frauen, zu ermorden. Den Opfern wurden z.T. bei lebendigem Leib Nasen, Ohren und "sonstige Gliedmaßen" abgeschnitten und die Augen ausgestochen. Sollte es diesbezüglich ein Informationsdefizit auf Seiten Namibias geben, so könnte man von staatlicher Seite aus bestimmt Einsicht in deutsche Archive gewähren.

    Dass die Herero mit englischen Waffen ausgestattet waren und nach der Niederlage am Waterberg ins britische Botswana geflüchtet sind, wo die Engländer ihnen für diesen Fall Asyl zugesichert hatten, habe ich bereits erwähnt.

    Wieviel Geld genau, soll Deutschland nun 112 Jahre später an Namibia zahlen?
    Ok, dann fassen wir mal zusammen:

    - Die Herero waren keine Unschuldslämmer;
    - Das damalige Deutsche Reich hat im Prinzip "nur" die britische Kolonialpolitik nachvollzogen;
    - die Militäraktion von General von Trotha war eigentlich nur eine Reaktion, wie damals üblich;
    - die bis in der jüngsten Vergangenheit in deutschen Forschungsinstitutionen gelagerten Totenschädel von Herero und Nama sind nicht der Rede wert;
    - in der Omaheke-Wüste ist eigentlich nichts vorgefallen als eine "Überreaktion" der Militärs;
    - Schuld sind eigentlich sowieso die Engländer.

    Selten so einen relativistischen Schwachsinn gelesen.

  15. #15
    Dein Problem ist, dass du von Geschichte keine Ahnung hast. Zum Glück kannst du das heute alles gerne im Internet recherchieren.

    Was die Üblichkeit der deutschen Vorgehensweise anbetrifft, so war sie für damalige Verhältnisse, wenn auch tragisch, leider nicht ungewöhnlich. Brutale Kolonialkriege waren damals in Europa an der Tagesordnung. Die Engländer haben z.B. die Kolonie Rhodesien nur deshalb, weil ein Herr namens Cecil Rhodes unter anderem mit 4 Vickers-Maxim Maschinengewehren auf Planwagen insgesamt 26.000 Afrikaner masakriert hat. Die Zahlen schwanken. Es gab zwei dieser Kriege mit angeblich über 60.000 Opfern auf Seiten der Einheimischen.

    https://en.wikipedia.org/wiki/First_Matabele_War

    Dann hat man 1899-1902 den holländischen Burenstaat Transvaal erobert, nachdem dort Diamanten gefunden worden waren. Die Firma De Beers ist hoffentlich ein Begriff. Die gehörte danach nicht mehr den Buren.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Burenkrieg

    Die Angehörigen der Burensoldaten hat man damals in Konzentrationslagern verrecken lassen. Opferzahl: 26.000 von 120.000.

    Das Kaiserreich hat die Buren mit Kriegsmaterial und "Freiwilligen" unterstützt. Zwei Jahre später haben die Engländer dann die Hereros gegen Deutschland mit Waffen ausgestattet, wonach es zeitnah zu besagtem Aufstand kam.

    Dass die Hereros durch die Wüste gelaufen sind, lag daran, dass sie nach Botswana flüchten wollten, wo die Engländer ihnen Asyl zugesichert hatten. Der Weg führte durch diese Wüste. Im Übrigen sind keine genauen Opferzahlen bekannt. Die Schätzungen basieren auf der Differenz der Vorher-Nachher-Population und wurde 1918 von den Engländern durchgeführt. Als die Deutschen auf dem Waterberg die Stellungen der Hereros erreichten, waren diese bereits verlassen. Die interessante Frage ist, was passiert wäre, wenn sich die Hereros damals ergeben hätten.

    Das ist der sog. "Vernichtungsbefehl" von v. Trotha im gesamten Wortlaut (steht alles auf der Wikipedia):

    „Ich der große General der Deutschen Soldaten sende diesen Brief an das Volk der Herero. Die Hereros sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet und gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren und Nasen und andere Körperteile abgeschnitten, und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage dem Volk: Jeder der einen der Kapitäne an eine meiner Stationen als Gefangenen abliefert, erhält 1000 Mark, wer Samuel Maharero bringt, erhält 5000 Mark. Das Volk der Herero muss jedoch das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem Groot Rohr dazu zwingen. Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volk zurück, oder lasse auf sie schießen. Das sind meine Worte an das Volk der Herero. Der große General des mächtigen Deutschen Kaisers“

    Ergänzt wurde die Proklamation durch den nur der eigenen Truppe zu verlesenden Zusatz:

    „Dieser Erlass ist bei den Appells den Truppen mitzuteilen mit dem Hinzufügen, dass auch der Truppe, die einen der Kapitäne fängt, die entsprechende Belohnung zuteil wird und dass Schießen auf Weiber und Kinder so zu verstehen ist, dass über sie hinweggeschossen wird, um sie zum Laufen zu zwingen. Ich nehme mit Bestimmtheit an, dass dieser Erlass dazu führen wird keine männlichen Gefangenen zu machen, aber nicht zu Grausamkeit gegen Weiber und Kinder ausartet. Diese werden schon fortlaufen, wenn zweimal über sie hinweggeschossen wird. Die Truppe wird sich des guten Rufes des Deutschen Soldaten bewusst bleiben.“
    Solltest du Interesse am Thema europäische Kolonialpolitik in Afrika entwickeln, so schau dir einfach mal diesen Link an:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kongogr%C3%A4uel

    Wenn die Bundesrepublik mit Entschädigungszahlungen am Afrika anfängt, dann schlägt das dem Fass den Boden aus. England, Frankreich, Belgien, Portugal, Spanien und Italien gingen daran locker Pleite. https://de.wikipedia.org/wiki/Koloni...lauf_um_Afrika
    Geändert von mark49 (24-07-2016 um 08:49 Uhr)


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