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  1. #976
    Pan narrans Avatar von Proteus I.O.F.F. Team
    Ort: Essen
    Zitat Zitat von dracena Beitrag anzeigen
    Ich finde, eine leserliche Handschrift ist kein Anachronismus. Sie erfordert Übung und feinmotorische Fähigkeiten, die nicht aus der Mode kommen sollten.
    Da sind wohl auch die Eltern gefragt, die mit ihren Kindern zusammen malen, auch ausmalen sollten.
    Sehe ich genauso.
    Und daneben ist die verbundene Schreibschrift nun mal eine schnelle Möglichkeit um sich Notizen zu machen,
    wenn man nur Stift und Papier zur Hand hat.

    Daß die Kids heutzutage daneben auch noch Tastaturschreiben als nützliche Fertigkeit lernen sollten, versteht sich von selbst.
    "After sleeping through a hundred million centuries we have finally opened our eyes on a sumptuous planet, sparkling with color, bountiful with life.
    Within decades we must close our eyes again.
    Isn’t it a noble, an enlightened way of spending our brief time in the sun, to work at understanding the universe and how we have come to wake up in it?"

    Richard Dawkins

  2. #977
    semper fi
    Ort: Bielefeld
    Etwas sehr einfach zu sagen "schöne(?) Handschrift braucht ja keiner mehr..." - zum (über-)leben hat man Die noch nie gebraucht.

    Aber der Fakt, dass immer weniger Kinder in der Lage sind handschriftlich eine A4 Seite zu beschreiben, steht ja sinnbildlich für vieles andere.
    Ganz viele Kinder haben große Konzentrationsschwächen, mangelhafte Motorik usw. Gibts schon lange Studien zu, und erlebt man auch im Alltag.
    Und das hängt eben miteinander zusammen.

    Edit: Und nachhaltiger Erfolg hängt nun mal ganz sicher u.a . damit zusammen, sich regelmäßig länger als 30 Sekunden konzentrieren zu können.... (Supermodels, YT Influencer und ähnliche supa Trendjobs selbstverständlich ausgenommen)

  3. #978
    Zitat Zitat von dracena Beitrag anzeigen
    Ich finde, eine leserliche Handschrift ist kein Anachronismus. Sie erfordert Übung und feinmotorische Fähigkeiten, die nicht aus der Mode kommen sollten.
    Richtig!
    Es geht ja nicht um SCHÖNE Handschrift. Sondern um die Fähigkeit, überhaupt erstmal das Schreiben hinzukriegen.
    Und diese Fertigkeit wurde früher fast automatisch mehr trainiert, wenn man die kleinen Kinder beschäftigt wissen wollte.
    Das lag sicher nicht daran, dass früher alle Eltern mehr Wert auf solche Fertigkeiten gelegt haben, aber es gab weniger Angebote, die mit diesen Fähigkeiten konkurrierten und das Kind beschäftigt hielten.
    Wer Ruhe wollte, gab dem kleinen Kind Stift/Zettel oder Schere/Papier oder irgendwelche Steckspiele/Spiele in die Hand.
    Mit der Zeit kamen immer mehr Fernsehprogramme, Handys und Apps und elektronische Spiele ...
    Nicht mehr nur zuhause, sondern in Bus, Wartezimmer, Restaurant und Park.

    Früher hätten vermutlich genauso viele Eltern die bequeme Variante genutzt, gab es nur nicht.

    Heute hat man teilweise Eltern, denen die Entwicklung und Bildung der Kinder wichtig ist. Da werden Kurse und Fördersachen besucht/gekauft. Also gewillte und bemühte Eltern.
    Aber trotzdem sind darunter viele, die aus Bequemlichkeit den Kampf gegen Handy, TV etc nicht führen (wollen/können).
    Statt zum zehnten Mal im Bilderbuch „Das ist eine Ente“ zu zeigen, drückt man dem Kind das „Buch“ in die Hand, das selbst „Ente“ sagt oder sonstige Imformationen vorliest.

    Ich bin total erstaunt, wieviele sogenannte gebildete Eltern ihre Kinder so beschäftigen, als hätten sie selbst nie ein Buch gelesen, ein Stift gehalten oder etwas gebaut/gebastelt.

  4. #979
    la joie de vivre Avatar von Berghuhn
    Ort: am Berg natürlich...
    Die Frage nach dem "wozu" braucht man eine lesbare/schöne Handschrift...

    Nun, ich beantworte die Frage mal vom Ende her - auch wenn dann mit "aussterbener Tradition" geantwortet werden könnte.

    Zwei Beispiele:

    Meine Schwiegermutter ist 95 Jahre alt und geistig in einem 1 A-Zustand. Sie schreibt immer noch von Hand pro Woche 1-2 lange Briefe an Freunde in aller Welt, die sie in den Jahrzehnten ihres Lebens kennen gelernt hat. Trotz körperlicher Schwäche und nur noch 30-40% Restsehstärke bekommt sie das hin und es ist ihr sehr wichtig. Außerdem kann sie immer noch unglaublich viele Texte auswendig, die sie in ihrer Kindheit und Jugend gelernt hat. Nicht nur alle wichtigen Texte und Psalmen aus der Bibel und Dutzende Lieder aus dem Gesangbuch, sondern auch noch viele Gedichte und Balladen von ihren Lieblingsklassikern. Erst gestern hat sie uns die Bürgschaft von Schiller aufgesagt...
    Diese "Basisfähigkeiten", die früher noch in der kleinsten Dorfschule vermittelt wurden, bilden heute noch einen ganz wichtigen Baustein in ihrer geistigen Fitness. Es ist etwas, was sie selbst tun kann und bei den geschriebenen Briefen hat sie ein ganz haptisches Ergebnis (und große Freude, beim Erhalt der geschriebenen Antworten). Das ist etwas völlig anderes, als wenn sie Medien nur konsumieren würde und mit einer Tastatur schreiben würde.

    Anderes Beispiel:
    Eine Freundin von mir ist 75 Jahre. Sie hat erst, nachdem die Kinder aus dem Haus waren, wieder ihre eigenen Interessen in den Vordergrund gestellt. Inzwischen hat sie 4 Bücher veröffentlicht, ein fünftes Buch ist in Arbeit. Außerdem viele Artikel, Geschichten, etc. etc. Sie schreibt alle, aber auch wirklich alle ihre Texte zuerst von Hand - erst danach kommen sie in den PC. Sie sagt, ihre Kreativität "fließt" beim handschriftlichen Erfassen viel intensiver und es ist einfach "schöpferischer".

    Das mag von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein, aber er oder sie sollte doch die Möglichkeit habe, es selbst heraus zu finden. Sich freiwillig vom "Handwerkszeug Schrift" zu trennen, weil es mühsam ist, halte ich für eine schlechte Idee.


    Hier sind noch zwei Links, die ich interessant finde - gerade in Bezug auf Fähigkeiten, die aus der Benutzung der Handschrift resultieren:

    https://www.neuronation.de/science/n...ueberlegen-ist


    Hier zwar eine Seite von einem privaten Institut, schon 5 Jahre alt - aber eine Zusammenstellung mit Quellenangaben:

    https://www.schreibmotorik-institut....PM_10grnde.pdf

  5. #980
    Also, ich glaube hier werden zwei verschiedene Dinge vermischt.

    Einerseits, klar Kinder sollten eine halbwegs leserliche Handschrift beherrschen. Und sei es auch nur, um diverse Formulare sauber ausfüllen zu können. Aber, das MUSS nicht zwingend eine Schreibschrift sein! Mag sein, daß damit einige besser sich Notizen machen können, aber das ist dann eine persönliche Entscheidung was einem besser liegt. Und ganz ehrlich, einen Überweisungsträger kann man nicht mit Schreibschrift ausfüllen.

  6. #981
    Zitat Zitat von BlackGirl Beitrag anzeigen
    Einerseits, klar Kinder sollten eine halbwegs leserliche Handschrift beherrschen. Und sei es auch nur, um diverse Formulare sauber ausfüllen zu können. Aber, das MUSS nicht zwingend eine Schreibschrift sein!
    Ich sage nicht, dass es die Schreibschrift sein muss.
    Aber ich sehe es kritisch, wenn die Schreibschrift nicht klappt, weil das Kind die nötigen Fertigkeiten dafür nie gelernt hat.

    Mit einem Füller zu schreiben, ohne dass die Feder sich jedesmal spaltet bzw einen Stift zu nutzen, ohne dass es sich durch den Block bohrt.
    Diese Schreibschriftbewegungen überhaupt hinzubekommen
    Das finde ich wichtig und sowas sollte man üben. Am besten vor der Schule.
    Ob man dann Schreibschrift lernt, ist mir egal.
    Aber dass man es nicht lernt, weil die Kinder dafür die notwendige Fingerfertigkeit nicht mehr mitbringen - da mach ich mir eher darum die Gedanken, nicht um die Schrift selbst.

  7. #982
    Ich komme in Frieden. Auf ewig! Avatar von dracena I.O.F.F. Team
    Ort: Mördergrube
    Zitat Zitat von Sabuha Beitrag anzeigen
    Aber ich sehe es kritisch, wenn die Schreibschrift nicht klappt, weil das Kind die nötigen Fertigkeiten dafür nie gelernt hat.

    Mit einem Füller zu schreiben, ohne dass die Feder sich jedesmal spaltet bzw einen Stift zu nutzen, ohne dass es sich durch den Block bohrt.
    Diese Schreibschriftbewegungen überhaupt hinzubekommen
    Das finde ich wichtig und sowas sollte man üben. Am besten vor der Schule.
    Eben.
    Das Problem liegt ja in den zunehmend fehlenden feinmotorischen Fähigkeiten.
    Die kann man üben. Viele werden sich daran erinnern, dass in der ersten Klasse die Bögenschwünge (oder wie die heißen) nach oben und nach unten genau geübt wurden, bis sie von krakelig und linienübertretend bis hin zu einigermaßen ordentlich wurden.
    Es ist ja nicht nur die Handschrift, die Feinmotorik und auch Konzentration erfordert. Damit zusammen hängen auch Sachen wie das Halten von Essbesteck, die Fähigkeit, Schnürsenkel zur Schleife zu binden, einen Apfel zu schälen und so weiter.
    Wir schätzen die Menschen, die frisch und offen ihre Meinung sagen - vorausgesetzt, sie meinen dasselbe wie wir.
    (Mark Twain)

    http://www.terre-des-femmes.de/

  8. #983
    Ich bin Linkshänder und als ich 68 in die Schule kam, bestand meine Klassenlehrerin darauf das mit der rechten Hand geschrieben wird.
    Meine Schrift ist fürchterlich, ich hatte große Probleme mit dem schreiben.

  9. #984
    hautfarbenblind Avatar von ganzblau
    Ort: beim Drehen
    Zitat Zitat von lesekatze Beitrag anzeigen
    Ich bin Linkshänder und als ich 68 in die Schule kam, bestand meine Klassenlehrerin darauf das mit der rechten Hand geschrieben wird.
    Schrecklich. Gottseidank hat da die Pädagogik eingelenkt, inzwischen

    Ansonsten: Schöne Diskussion. Ich habe mich ja eben gefragt, ob es zum Apfelschälen nicht vielleicht schon eine App gibt.
    Tatsächlich gibt es ja im Netz Tutorials für (fast) alles. Beispiele:

    Schnürsenkel binden

    Äpfel schälen

    Aber das Üben der Fertigkeiten - das geht nur haptisch im Hier und Jetzt
    Geändert von ganzblau (15-04-2019 um 09:52 Uhr)

  10. #985
    Zitat Zitat von ganzblau Beitrag anzeigen
    @Hope: Ich denke, es lohnt sich, an alten Dingen festzuhalten, wenn sie Unabhängigkeit ermöglichen. Ein analoges Schreiben- (und: Rechnen-)können ist nur schon für den Fall unerlässlich, wenn mal der Strom ausfällt.

    Elektronik ist über lange Sicht nicht so haltbar wie Papier und Stifte. Schreiben und Zeichnen sind technische Skills, die niemals aussterben werden. Und ich weiss schon, dass das vorsintflutlich klingt

    Ich glaube, wenn der Strom ausfällt oder, um es allgemeiner zu machen, technische Hilfsmittel ausfallen, ist vielleicht das "manuelle Schreiben" mehr gefragt als vorher, aber dennoch erscheint dein Beispiel etwas lebensfremd. Wenn es darum geht, mit neuen Situationen klarzukommen, ist in der Regel Kreativität und handwerkliches Geschick wichtig und entscheidend.

    Die Schule ist aber in der heutigen Form durchaus geeignet, dafür zu sorgen, dass Kreativität und handwerkliches Geschick verkümmert. Dass man darüber diskutiert, ob Schreibschrift oder Druckschrift, ob Füller oder Kugelschreiber besser ist, zeigt eben, dass die Prioritäten falsch gesetzt sind.
    Die Grundfertigkeiten, Lesen und Schreiben sind wichtig. Mit dem selbst Schreiben lernt man das natürlich auch besser. Das halt ich für sehr wichtig. Auch natürlich eine Leserlichkeit für Dritte. Aber die ist mit der Druckschrift immer besser.
    Das üben der Feinmotorik sollte am besten in Kunst- oder Werkunterricht erfolgen. Und beim Sport. Dahin sollten die Prioritäten verschoben werden.

  11. #986
    Zitat Zitat von Lieb-Ellchen Beitrag anzeigen
    Das üben der Feinmotorik sollte am besten in Kunst- oder Werkunterricht erfolgen.
    Diese Fähigkeiten sollten bis zur Einschulung vermittelt werden. Von Kindergärten und Eltern.
    Beim Kunstunterricht in der Grundschule kann das Kind was ausschneiden und kleben und kreativ sein, vertiefen, verfeinern.
    Aber die können teilweise nicht mal richtig schneiden oder pinseln.
    Ich „durfte“ mal beim Laternenbasteln in der ersten Klasse helfen. Das war echt erschreckend.

    Beim Schuhkauf ist das teilweise echt schwierig, wenn man für jüngere Kinder was ohne Klettverschluss sucht.
    Weil die Kinder das nicht können, wird immer mehr ohne angeboten.
    Der Druck, sowas lernen zu müssen, verschwindet auch immer mehr.
    Das ist das gleiche, wie das rumkutschieren der Kinder im Kinderwagen. Die sehen aus wie halbe Kälber darin. Ist halt bequemer.
    Die Bequemlichkeit ist aber erstmal insbesondere für die Eltern.
    Dadurch werden Kinder inkompetent, ungeübt, unfähig in vielen Dingen.

  12. #987
    semper fi
    Ort: Bielefeld
    Ich weiss nicht, ob "Ellchen" das so gemeint hat - aber die Verantwortung und das "trainieren" von Feinmotorik & Co. gänzlich in/auf die Schule abzuwälzen halte ich für grundverkehrt.

  13. #988
    Ist es bei euch auch so.
    In den letzten 15 Jahren sehe ich keine Kinder mehr spielen. Keine Bürgersteige bemalt mit Kreide für Hopse und so.
    Ich lebe in einer Kleinstadt.

  14. #989
    Stört mich nicht... Avatar von Null-Drei-Null
    Ort: Balkon mit Tee und Buch
    Im vergangenen Jahr war ca 100 Meter von uns entfernt der Bürgersteig intensiv mit Kreide bemalt. Durchaus großflächig und mehr oder weniger kreativ.
    Mehrere Leute, die vorbeigingen, regten sich auf... „wie denn das aussehe".

  15. #990
    Zitat Zitat von Sabuha Beitrag anzeigen
    Diese Fähigkeiten sollten bis zur Einschulung vermittelt werden. Von Kindergärten und Eltern.
    Beim Kunstunterricht in der Grundschule kann das Kind was ausschneiden und kleben und kreativ sein, vertiefen, verfeinern.
    Aber die können teilweise nicht mal richtig schneiden oder pinseln.
    Ich „durfte“ mal beim Laternenbasteln in der ersten Klasse helfen. Das war echt erschreckend.

    Beim Schuhkauf ist das teilweise echt schwierig, wenn man für jüngere Kinder was ohne Klettverschluss sucht.
    Weil die Kinder das nicht können, wird immer mehr ohne angeboten.
    Der Druck, sowas lernen zu müssen, verschwindet auch immer mehr.
    Das ist das gleiche, wie das rumkutschieren der Kinder im Kinderwagen. Die sehen aus wie halbe Kälber darin. Ist halt bequemer.
    Die Bequemlichkeit ist aber erstmal insbesondere für die Eltern.
    Dadurch werden Kinder inkompetent, ungeübt, unfähig in vielen Dingen.
    Natürlich werden die Grundlagen vor der Schule gelegt. Aber das stützt ja meine Argumente. Weil ich finde, dass in der Schule viele Fähigkeiten wieder verkümmern, vor allem die Kreativität, das selbst entdecken und Lösungen suchen, die Freude am Neuen und am Lernen überhaupt. Vor allem Jungs sind davon betroffen. Das wird dann auf die Geschlechtsverteilung beim Lehrpersonal geschoben, dabei liegt es an den Lerninhalten, die meistens (natürlich nicht immer) den Mädchen leichter fallen.

    Ja, wenn Eltern ihren Kindern alles abnehmen, dann gilt das, was du im letzten Satz schreibst, auf jeden Fall. Umso wichtiger ist, dass Kinder früh in die Kita kommen, um zu verhindern, dass die Kinder so bleiben bzw. so in die Schule kommen. Die Schule kann sich wiederum ihre Schüler nicht selbst backen sondern muss auch damit umgehen können, dass die Fähigkeiten unterschiedlich sind.


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