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  1. #61
    Member
    Ort: im Süden von Hamburg
    Erinnert mich an einen Vorfall vor ein paar Jahren. Einer meiner Schüler (3. Klässler) kippte einen ganzen Becher Milch in den Ranzen eines Mitschülers. Die Eltern wurden informiert und sollten sich um Reinigung/Ersatz kümmern. Antwort: "Nein, ihr Sohn hätte ja nicht angefangen. Der andere hätte ja als erstes die Zunge rausgesteckt."

    Zusammenfassend sieht man wie vielfältig Gründe sind. Ich fänd am allerwichtigsten mehr Geld in Bildung zu stecken. Mal schauen, was sich die Politiker so einfallen lassen.

  2. #62
    When we were kings Avatar von *Blue*
    Ort: Behind the wheel
    Zitat Zitat von LittleGreenBag Beitrag anzeigen
    Vielleicht ist das ja gerade das Problem: die Kinder werden ständig irgendwo "geparkt". Ist ja auch angenehmer als sich selber mit ihnen zu beschäftigen. Zu Hause leisten die Erziehungsarbeit ein bis zwei Eltern bei den eigenen ein bis vier Kindern. Wie soll eine Lehrerin dasselbe bei bis zu 30 Kindern leisten?
    Vorallem können die Lehrer ja gar nicht mehr erziehen, weil sie nichts mehr dürfen. Und sollte sich ein Lehrer erdreisten doch mal eine Strafe auszusprechen, dann kommt nicht selten ein Anwaltsschreiben, weil das arme Kind ja ach so ungerecht behandelt worden ist.
    Wenn den Kindern daheim gar nicht vermittelt wird, dass Schule wichtig ist, dass man den Lehrern zuhören und folgen muss, dass man etwas leisten muss, um Erfolg zu haben, dann können die Kinder noch so viel Zeit in Bildungseinrichtungen verbringen, es wird zu nichts führen. Kinder kosten Zeit. Wer nicht bereit ist, Zeit aufzuwenden, der sollte keine Kinder bekommen.

    ich bin komplett bei Dir.
    ABER:
    nach Änderung des Unterhaltsrecht kann es sich kein Elternteil erlauben, wegen eines Kindes den Beruf zurück zustellen.
    Norbert Blüm hat da mal einen sehr guten Artikel geschrieben:
    Über die Enteignung der Kindheit und die Verstaatlichung der Familie. Eine Streitschrift von Norbert Blüm.
    Die Spitze der Unverschämtheit

    Das Unterhaltsrecht im Scheidungsfall ist die ungewollte Entlarvung des neuen staatlichen Imperialismus, der sich anschickt, die Familie plattzumachen. Die Abdankung der familiären Erziehung und die brutale Unverschämtheit der öffentlichen Gewalt offenbaren sich in den Regelungen des Konfliktfalles der Scheidung. Wie so oft ist die Ausnahmeregelung von heute die Antizipation der Normalität von morgen. Das Scheidungsrecht nimmt also das zukünftige Familienrecht vorweg.

    In der Rechtsprechung zum Unterhaltsrecht zeigt sich, wie weit der Staat bereits ins Familienregiment interveniert und Elternrechte minimiert hat. Nach dem Willen des Bundesgerichtshofes soll etwa eine geschiedene Mutter nach dem dritten Lebensjahr ihres Kindes dieses der »Fremdbetreuung« übergeben, damit sie voll erwerbstätig werden kann, um den geschiedenen Vater von seinen Unterhaltspflichten zu entlasten. Die geschiedene Mutter mit Kind soll also im gleichen Maße erwerbstätig werden wie der geschiedene Mann ohne Kind.
    du kannst es Dir nicht leisten nur noch halbtags zu arbeiten.
    wenn es machst, wird dir durch dieses Unterhaltsrecht ganz klar gesagt: DU machst was falsch.
    Also ist man als faire Eltern - beide dürfen und müssen Karriere machen - gezwungen, das Kind fremd zu betreuen.

    ich find das echt sehr problematisch.
    die bildungsfernen Eltern kümmern sich nicht um die Kinder, weil sie keinen Bock haben.
    die bildungsnahen Eltern kümmern sich nicht, weil sie selbst Karriere machen wollen - und auch zumindest nicht ohne dramatische Einbussen im Fall einer Trennung hinzunehmen - Karriere machen müssen.

    dieser letzte "fette" Satz oben - der zeigt für mich den ganzen Irrsinn dieses U-Rechts.
    diese Mutter - die kann gar nicht anders, als zu verlangen, dass nun die Schule diese Aufgabe übernimmt, die ihr der Staat ja eben nicht mehr ermöglicht.

    und die verheiratete Frau - die steckt in der selben Falle.
    denn sie kann sich ja nicht sicher sein, dass sie nicht irgendwann allein da steht.

    da spielt soviel rein.
    und die leidtragenden sind die Kinder.

    Denk ich an Deutschland in der Nacht - Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
    Ich kann nicht mehr die Augen schließen - Und meine heißen Tränen fließen. (H. Heine)
    There are 10 types of people in the world:
    Those who understand binary, and those who don't.


  3. #63
    Zitat Zitat von Ariel Beitrag anzeigen
    Wie schon geschrieben, die Methode heißt eigentlich gar nicht so, sondern "Lesen durch Schreiben" und ist eine Methode zum Lesen lernen. Es ist angedacht, allerspätestens in Klasse 2 mit dem Rechtschreibunterricht zu beginnen, wenn man nach der Methode arbeitet.
    Ich arbeite nicht mit der Methode, aber finde es schade, dass sie (auch von Fachkollegen, die es besser wissen müssten) häufig falsch dargestellt wird. Die Methode kann nichts dafür, wenn sie falsch angewendet wird.
    Die Methode ist einfach falsch und berücksichtigt nicht, dass umlernen immer schwieriger ist als neu lernen, egal ob man im 2. oder 3. Schuljahr mit der richtigen Rechtschreibung anfängt. Es macht für mich auch keinen Sinn, das Lesen lernen auf diese Art und Weise zu beschleunigen.
    Die beste Methode ist m.E. immer noch der klassische Aufbau, zuerst Buchstaben und Zusammensetzung in zunächst einfachen Wörtern. Bei Mathe fängt man ja auch mit dem einfach Addieren und dem kleinen Einmaleins an.

  4. #64
    Ich komme in Frieden. Auf ewig! Avatar von dracena I.O.F.F. Team
    Ort: Mördergrube
    Zitat Zitat von Ariel Beitrag anzeigen
    Wie schon geschrieben, die Methode heißt eigentlich gar nicht so, sondern "Lesen durch Schreiben" und ist eine Methode zum Lesen lernen. Es ist angedacht, allerspätestens in Klasse 2 mit dem Rechtschreibunterricht zu beginnen, wenn man nach der Methode arbeitet.
    Ich arbeite nicht mit der Methode, aber finde es schade, dass sie (auch von Fachkollegen, die es besser wissen müssten) häufig falsch dargestellt wird. Die Methode kann nichts dafür, wenn sie falsch angewendet wird.
    Ja, das hattest du erwähnt.
    Ich finde es aber wichtiger, was de facto gemacht wird als das, was mal angedacht oder theoretisch geplant war. Und ich halte diese Methode für falsch, egal wie man sie nennt.

    Wenn nicht von Anfang an mit der korrekten Rechtschreibung gearbeitet wird, dann lernen Kinder es falsch. Das bedeutet, ihnen wird später beigebracht, dass sie vorher etwas Falsches gelernt haben bzw es nicht verbessert wurde. Das ist keine besonders vertrauenerweckende Maßnahme, finde ich.
    Und es wird hier im Ruhrgebiet vielfach erst einmal nicht korrigiert, also lernen die Kinder eine falsche Rechtschreibung. Wenn dann das Elternhaus nicht in der Lage ist, dem Kind Nachhilfe zu geben - tja. Wobei es ja von Schulseite auch gar nicht immer erwünscht ist, wenn Eltern das tun.
    Wir schätzen die Menschen, die frisch und offen ihre Meinung sagen - vorausgesetzt, sie meinen dasselbe wie wir.
    (Mark Twain)

    http://www.terre-des-femmes.de/

  5. #65
    la joie de vivre Avatar von Berghuhn
    Ort: am Berg natürlich...
    Meine Grundschulzeit liegt schon mehr als 40 Jahre zurück, also kann ich eigentlich nicht mehr mitreden...
    Aber ich erinnere mich noch gut an die Ruhe und Disziplin - und wir waren stets über 30 Kinder , manchmal sogar über 35 in der Klasse.
    Es gab klare Regeln und Strafen, wenn sie gebrochen wurden - und ab dem 1. Tag Hausaufgaben. Und am Ende der 1. Klasse ein Zeugnis mit Noten.
    Schon in der ersten Klasse lernten wir "richtig" zu schreiben - nach Wochen voller "Schwungübungen" war der erste Buchstabe den wir gelernt haben das große "M".
    Mit dem kleine Einmaleins war es brutal - aber sehr wirksam - wir haben das kleine 1x1 in einer Woche gelernt - also alle möglichen Formen aufgeschrieben und sofort auswendig gepaukt. Da gab es keine spielerischen Lernformen, sondern klares Auswendiglernen. Für den Rest des Schuljahres hat es dann ständig Abfragen gegeben - also alle mussten aufstehen und es wurden von der Mathelehrerin Aufgaben genannt - z. B. 7x8 - wer es wusste meldete sich und bei richtiger Antwort durfte er/sie sich setzen. Es ging also auch um Schnelligkeit und niemand wollte bis zum Schluss stehen...
    Ebenfalls haben wir noch viele Gedichte auswendig gelernt - so haben wir auch Lernen und Konzentration gelernt.
    (Und heute mühen sich unsere Konfirmanden 1 Jahr ab, das Vater Unser und das Glaubensbekenntnis wenigstens halbwegs auswendig zu können - einfach bitter.)

    Thema: Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeitsspanne - ich glaube, wer sich heutzutage nicht "schützt", auf den strömt einfach zu viel Information und zu viel Ablenkung ein. Und bewusst "reizarme" Zeiten mit Konzentration nur auf eine Sache schaffen nur noch wenige Familien. Zum Beispiel einen Waldspaziergang mit genauer Wahrnehmung der Umgebung, genau zu schauen was dort wächst und blüht und welche Tiere zu sehen und zu hören sind... - ohne Gespräche über Alltag oder Nutzung von Mobiltelefonen, etc.
    Oder gemeinsam zu basteln ohne jede Ablenkung... etc.


    Eine Geschichte zum "Schreiben nach Gehör" - eine Tochter von Freunden "durfte" in der gesamten Grundschulzeit so schreiben - es wurden niemals Rechtschreibfehler korrigiert und die Eltern machten sich langsam echt Sorgen - aber das störrische Kind beharrte darauf... - sie dürfe das so...
    Nun - dann kam die Gymnasialempfehlung und ab sofort wurde jeder Rechtschreibfehler gnadenlos angestrichen - das Kind hatte oft mehr als 100 Fehler im Diktat und merkte sehr schnell, dass es ein Problem hatte, denn es ist schlau und ehrgeizig. Also hat sie sich gnadenlos hingesetzt und hat Rechtschreibung gepaukt - schlechtgelaunt und mürrisch auch Nachhilfe genommen - und hat mit unglaublichem Fleiß und Eifer in wenigen Monaten aber alles nachgeholt, was in der Grundschule versäumt wurde.
    Und hat mehr als einmal das "Laissez-faire" der Grundschule beklagt, das sie in Sicherheit gewiegt hatte...


    Ein weiteres Manko in meinen Augen ist die anscheinend heutzutage fehlende Verantwortung - ich bin noch so erzogen worden, dass ich für Fehler und Missgeschicke die Verantwortung übernommen habe. Ganz früh habe ich schon gelernt, für Blödsinn gerade zu stehen. Meine Eltern hätten niemals den Lehrer für eine schlechte Note verantwortlich gemacht - sondern haben mich befragt - und ich habe schon früh begriffen, dass wenn ich zu wenig gelernt habe, es dafür dann im Zweifel auch gleich die Quittung gab...
    Und es gab weniger strenge Strafen, wenn ich (gefährlichen) Blödsinn beim "Erwischt werden" gleich zugegeben habe... Am Fluss spielen und dabei patschnass werden... auf zu hohe Bäume klettern und blöd abzurutschen... auf Stalldächer klettern und vom Nachbarn gesehen werden... Prügeleien... etc. etc. etc. Ausreden und Lügen wurden dagegen immer streng geahndet.

    Heute scheinen bei Jüngeren dagegen Ausreden chic zu sein und Verantwortung wird nicht mehr übernommen. Das finde ich sehr schade und beschädigt auch das Zusammenleben, wie man beispielhaft an der starken Zunahme von Fahrerfluchtdelikten sehen kann.

    Denn was Hänschen nicht lernt, dazu hat Hans später bestimmt keine Lust und keine Zeit mehr...
    Geändert von Berghuhn (15-10-2017 um 13:30 Uhr)

    Hier geht es nach Island im März 2018:
    http://www.ioff.de/showthread.php?42...nerreise/page4

  6. #66
    Ich persönlich denke, das es auch viel an den Lehrern liegt. Ich war in der ehemaligen DDR in der Schule und da wurden mehr oder weniger die Lehrer zur "Verantwortung" gezogen wenn ein Schüler schlecht war. Sicherlich gab es auch bei uns Sitzenbleiber aber gefühlt haben sich die Lehrer mehr um ihre Schüler gekümmert wie heute.

    Wenn ich heute mal was sehe was Schule und co betrifft dann habe ich meistens das Gefühl, das die Lehrer nur irgendwie ihren Stoff abhandeln und gut. Entweder bekommen es die Schüler mit oder nicht. (Was aber auch an den Schülern liegt, wir wollten damals was lernen.... )

    Mit Sicherheit waren wir aber auch eine andere Generation, ohne 12019 TV Sender, ohne Internet, ohne Smartphone aber trotzdem mit einer Menge Blödsinn im Kopf

  7. #67
    Member
    Ort: im Süden von Hamburg
    Dracena, wie würdest du Schreiben beibringen? Alle lernen das A, danach alle lernen das L, dann alle lernen das I und dann darf mal ALI schreiben (so lernte ich in der DDR)?

    Es gibt ein System das so arbeitet IntraAct. Es setzt sich aber nicht durch.... Wir setzen es für schwache Kinder. Es ist aber sehr trocken, da die Kinder kein einziges ungeübtes Wort schreiben dürfen in der gesamten ersten Klasse. Nur abschreiben und am Anfang auch nur Großbuchstaben.

    Übrigens geht man sehr wohl auf Fehler ein. Aber die deutsche Rechtschreibung ist so kompliziert, dass man nicht alles auf einmal erklären kann. Und merken, ja daran hapert es ja dann wieder. Die Kinder in Klasse 1 sind eben nicht mehr so merkfähig wie früher. Also geht man über Motivation, die Kinder wollen unheimlich gerne schreiben am Anfang. Und natürlich korrigieren wir. Die Kinder fragen ja auch, ob es richtig ist. Dann sage ich, dass Erwachsene noch ein "H" hinschreiben etc.. Ich bin aber Mathelehrerin und auch da sehe ich sehr negative Entwicklungen. Kinder spielen keine Würfelspiele mehr und erkennen Würfelzahlen nicht mehr, Zählen ist auch schwer. Mengen kennen, vergleichen etc. ist für eine immer höhere Zahl ein Problem. In der 2. Klasse kommt das Einmaleins. Und ich unterricht es klassich und nicht nach der neuen Methoder der Kernaufgaben. Und dennoch habe ich in jeder Klasse 5-8 Kinder, die es einfach nicht lernen. Entweder weil sie nicht üben oder sie können es sich einfach nicht merken.

    Also nochmal, Schreiben nach Gehör ist eine Stellvertreterdiskussion. Denn die Schüler sind nicht nur bei der Rechtschreibung schlecht, sondern auch beim Einmaleins, beim Problemdenken, beim Zuhören etc...

    Predni: Ich komme auch aus dem Osten. Ich kann deine Beobachtung an den Grundschulen nicht so teilen. Da sind Lehrer heute vorrangig Erzieher und Pädagoge als Wissensvermittler, leider...
    Geändert von Anscha (15-10-2017 um 13:50 Uhr)

  8. #68
    Zitat Zitat von *Blue* Beitrag anzeigen
    ich bin komplett bei Dir.
    ABER:
    nach Änderung des Unterhaltsrecht kann es sich kein Elternteil erlauben, wegen eines Kindes den Beruf zurück zustellen.
    Norbert Blüm hat da mal einen sehr guten Artikel geschrieben:
    Über die Enteignung der Kindheit und die Verstaatlichung der Familie. Eine Streitschrift von Norbert Blüm.

    Es war kein guter Artikel und die Aussage Blüms mit dem Unterhalt ist so auch nicht richtig. Aber das war hier schon mal Thema. Aber mit dem Threadthema hat es nichts zu tun, daher will ich nicht näher darauf eingehen, außer dass es eine Erwerbsobliegenheit des betreuenden Elternteils gibt, die aber nicht bedeutet, dass derjenige ab dem 3. Lebensjahr jüngsten Kindes Vollzeit tätig sein müsste.

  9. #69

  10. #70
    Zitat Zitat von Blackbird Beitrag anzeigen
    Gut, aber dann erkläre mir doch mal bitte, warum sich die Leistungen der Kinder in den letzten Jahren derart verschlechtert haben, obwohl sie heute mehr Zeit denn je in Bildungseinrichtungen verbringen?

    Das Argument, dass dann alles an den Eltern liegt, zieht dann nicht mehr. Dann muss sich Schule dann irgendwann auch mal selbst hinterfragen.
    Also eigentlich dachte ich, dass mein Beitrag auf Seite 2 hier schon erklärend genug war. Und zig andere User schrieben mittlerweile ja auch schon was dazu. Aber anscheinend immer noch nicht ausreichend, daher nochmal ausführlicher, auch wenn ich es als unnötig erachte:

    1. Vergleich doch mal eine typische Kindheit bis sagen wir mal zur Jahrtausendwende mit ner typischen Kindheit nach der Jahrtausendwende/heutzutage:
    Früher war in der Regel ein Elternteil (eigentlich immer die Mutter) zuhause wenn die Kinder von der Schule kamen. Es gab frisch zubereitetes Essen und danach wurde geschaut, dass die Kinder ihre Hausaufgaben erledigen und den Schulstoff wiederholend zu Hause lernen.
    Was passierte, wenn man in der Zeit, in der man eigentlich auf seinem Zimmer lernen und Hausaufgaben machen sollte stattdessen nur Däumchen gedreht hat, weil man keinen Bock hatte? Richtig, dann hieß es in der Regel: "Pech, solange du deine Schulsachen nicht erledigt hast, brauchst du auch nicht mit deinen Freunden rausgehen!"
    Und für die meisten Kinder war das Strafe genug, sodass man bei eventuell aufkommender mangelnder Motivation sich eben zusammenriss und die Sachen erledigte.
    Und dann? Was machten die Kinder überweigend in ihrer Freizeit? Rausgehen, spielen, toben, Ball spielen und ähnliches. Gameboys und erste Computer gab's da auch schon, aber die Nutzung war meiner Meinung nach wesentlich strenger reglementiert, weil es für Eltern sicher auch leichter war, den Umgang mit Fernseher und PC zu kontrollieren. Ein eigener Fernseher oder PC im Kinderzimmer? Fehlanzeige.
    Abends fiel man platt ins Bett, las vielleicht noch ein Buch, das war's.

    Und heutzutage? Heutuzutage befinden sich sowohl Kinder als auch Eltern im Dilemma des Medienkonsums. Was ist denn reizvoller wenn einem langweilig ist und das Wetter draußen auch nicht gerade einladend aussieht? => Trotzdem rausgehen oder dann doch lieber daheim die Zeit mit Tablet und Smartphone zu verbringen, und mit den Freunden über WahtsApp oder Snapchat zu chatten? Bewegung? Fehlanzeige. Soziale Kontakte? Virtuell. Und wir alle wissen, dass ein virtuelles "Gespräch" und persönliche Kommunikation (was ja auch der Sprachförderung dient) zwei ganz unterschiedliche Dinge sind.
    Zudem ist es für Eltern heutzutage viel schwieriger zu kontrollieren, was das Kind eigentlich auf seinem Zimmer macht. Da müsste man das Handy schon wegnehmen oder sperren.

    2. LittleGreenBag hat die Problematik der Erziehungsleistung von Lehrern eigentlich schon perfekt erklärt:

    Zitat Zitat von LittleGreenBag Beitrag anzeigen
    Vielleicht ist das ja gerade das Problem: die Kinder werden ständig irgendwo "geparkt". Ist ja auch angenehmer als sich selber mit ihnen zu beschäftigen. Zu Hause leisten die Erziehungsarbeit ein bis zwei Eltern bei den eigenen ein bis vier Kindern. Wie soll eine Lehrerin dasselbe bei bis zu 30 Kindern leisten?
    Eltern kümmern sich - je nachdem - um durchschnittlich 1 bis 3 Kinder. Zumal sie einen ganz anderen Zugang und Einfluss zu/auf ihre/n Kindern haben als ein wildfremder Lehrer.
    1 bis 3 Kinder im praktischen Alltag zu erziehen, noch dazu die eigenen Kinder, ist doch was ganz anderes, als als Lehrer mit schwindender Autorität Gruppen von bis zu 30 sitzende Kinder erziehen zu sollen und ihnen "nebenbei" auch noch fachliches Wissen zu vermitteln.

    Falls du, oder jemand anderes jetzt daraus schlussfolgern sollte: "Ach, der Brontes ist also so einer, der möchte, dass wie früher die Frau als treusorgende Hausfrau, Ehefrau und Mutter zu Hause bleiben soll und ihre eigenen Bedürfnisse bitte hinten anstellt."
    Nein, mitnichten
    Darum geht es nicht. Aber - wie einige hier ja schon schrieben - ich sehe die Hauptverantwortung im Elternhaus. Und wer sich für Kinder entscheidet, sollte sich dann auch die Zeit dafür nehmen, seiner Aufgabe als Elternteil gerecht zu werden. Und das heißt unter anderem: Sein Kind zu erziehen, ihm zu vermitteln wie wichtig Bildung ist, klare Regeln und Grenzen setzen und für sein Handeln auch Verantwortung zu übernehmen.
    Eltern sein heißt nicht, einen auf Buddy zu machen, der die unangenehme Arbeit dem Kindergarten und der Schule überlässt.
    Geändert von Brontes (15-10-2017 um 16:07 Uhr)

  11. #71
    Zitat Zitat von Anscha Beitrag anzeigen
    Predni: Ich komme auch aus dem Osten. Ich kann deine Beobachtung an den Grundschulen nicht so teilen. Da sind Lehrer heute vorrangig Erzieher und Pädagoge als Wissensvermittler, leider...
    Warum "leider"? ... Natürlich können Lehrer heute mehr denn je nicht nur Wissensvermittler sein, wo unser ganzes Schulsystem auf Ganztagsbeschulung basiert und wo Integration und Inklusion eine Selbstverständlichkeit sein sollen. ... Der Beruf des Lehrers ist heute ohne Zweifel komplexer und erfordert andere Kernkompetenzen, als das noch bei der Lehrergeneration der Fall war, die unsere Eltern unterrichtet hat. Ist doch ganz logisch.
    Geändert von Will.Hunting (15-10-2017 um 17:24 Uhr)

  12. #72
    Schwanz drüber... 420pm Avatar von Perrier
    Der Hauptgrund ist eben der vielfältige, meist ungefilterte Input und die ganze Ablenkung. Ich habe mit Fernseher und PC im Zimmer (ab 4. Schuljahr) und ADHS gute Noten gehabt und ein Abitur mit einer 1 vor dem Komma. Ich gebe ab und zu Nachhilfeunterricht. Ausschließlich Kids mit ADHS. Ich bekomme mit, was die wuppen müssen und was in ihnen vorgeht. Es ist heutzutage einfach mal vieles anders, und da müssen sich m. E. alle anpassen. Nicht nur Eltern, sondern auch das Bildungssystem. Das, was sich auf ADHS'ler auswirkt, wirkt sich auf die nicht betroffenen Kids genau so aus.
    Geändert von Perrier (15-10-2017 um 17:14 Uhr)
    cada día su problema
    seamos realistas, soñemos lo imposible

  13. #73
    Member
    Ort: im Süden von Hamburg
    Zitat Zitat von Will.Hunting Beitrag anzeigen
    Warum "leider"? ... Natürlich können Lehrer heute mehr denn je nicht nur Wissensvermittler sein, wo unser ganzes Schulsystem auf Ganztagsbeschulung basiert und wo Integration und Inklusion eine Selbstverständlichkeit sein sollen. ... Der Beruf des Lehrers ist heute ohne Zweifel komplexer und erfordert andere Kernkompetenzen, als das noch bei der Lehrergeneration der Fall war, die unsere Eltern unterrichtet hat. Ist doch ganz logisch.
    Da kannst du gerne nach hinten kippen. Das ist mein Alltag. Ich würde den Kindern schon gerne lesen und schreiben beibringen in der 1 Klasse. Stattdessen bekommen wir Kinder, die erstmal lernen müssen, sich in einer Gruppe zurecht zu finden, die lernen müssen dass man nicht zuschlägt, wenn einem was nicht passt, still zu sitzen, nicht mit Dingen durch die Gegend zu werfen, alleine anziehen können, auf Toilette gehen können etc..

    Mal davon ab, dass wir vermehrt Kinder haben, die kaum deutsch können.

    Und dann regen sich die weiterführenden Schulen auf, dass wir Kinder schicken, die nichts können. Ja auch wir bekommen heute andere Kinder in die 1. Klassen. Man musste ja auch das Einschulungsdatum immer weiter nach hinten legen und so immer jüngere Kinder einschulen.
    Geändert von Anscha (15-10-2017 um 17:35 Uhr)

  14. #74
    Zitat Zitat von Brontes Beitrag anzeigen
    Falls du, oder jemand anderes jetzt daraus schlussfolgern sollte: "Ach, der Brontes ist also so einer, der möchte, dass wie früher die Frau als treusorgende Hausfrau, Ehefrau und Mutter zu Hause bleiben soll und ihre eigenen Bedürfnisse bitte hinten anstellt."
    Nein, mitnichten
    Darum geht es nicht. Aber - wie einige hier ja schon schrieben - ich sehe die Hauptverantwortung im Elternhaus. Und wer sich für Kinder entscheidet, sollte sich dann auch die Zeit dafür nehmen, seiner Aufgabe als Elternteil gerecht zu werden. Und das heißt unter anderem: Sein Kind zu erziehen, ihm zu vermitteln wie wichtig Bildung ist, klare Regeln und Grenzen setzen und für sein Handeln auch Verantwortung zu übernehmen.
    Eltern sein heißt nicht, einen auf Buddy zu machen, der die unangenehme Arbeit dem Kindergarten und der Schule überlässt.
    Im Grunde hast du aber genau das geschrieben, worauf ich hinaus wollte. Früher war in der Regel ein Elternteil zu Hause und da gab es diese ganzen Probleme zumindest in dem Ausmaße noch nicht. Man mag es nun gut oder schlecht finden, aber die Beziehung zwischen Eltern und Kind ist unheimlich wichtig und das Erlernen von Urvertrauen und Selbstvertrauen noch wichtiger als der Stoff, der in der Schule vermittelt wird. Das passiert alles in den ersten Lebensjahren. Nun werden die Kinder aber schon möglichst früh in Kitas abgegeben, damit die Eltern wieder arbeiten gehen können. Ich bin selbst keine Mutter, aber ich würde mal wetten, dass eine Mutter, die heute für ihre Kinder zu Hause bleiben würde, von allen Seiten eher schief angeguckt werden würde. Auch der Wiedereinstieg in den Beruf gestaltet sich nicht immer als so einfach. Und schließlich sind ja fast alle Haushalte schon darauf angewiesen, dass beide Elternteile arbeiten gehen, um ihren Kindern einen gewissen Lebensstandard zu ermöglichen oder überhaupt mithalten zu können.

    Gleichzeitig, und das scheint ja diese tolle Studie zu zeigen, scheinen Bildungsinstitutionen dieses Loch aber nicht auffangen zu können. Das zeigt mir jedenfalls, dass hier auch die Politik gefragt wäre. Es sind auch nicht alle Kinder gleichsam pflegeleicht. Es müssen ja nicht gleich Verhaltensstörungen sein, trotzdem gibt es vielleicht Kinder, die mal mehr mal weniger Aufmerksamkeit brauchen. Können das Bildungsinsitutionen mit ihren 20-30 Kindern wirklich leisten? Wollen Lehrer die Kinder denn individuell sehen? Ich denke eher nicht. In der Schule geht es doch eher darum alle gleich zu machen.

    Frühkindliche Bildung kann sicher sinnvoll sein, nämlich dann wenn Eltern aus benachteiligten Familien es nicht leisten können. Aber ist es ansonsten wirklich sinnvoll sein Kind schon in so einem frühen Stadium in fremde Hände zu geben, wo sich nicht adäquat um das Kind gekümmert werden kann, weil dort noch zig andere Kinder sind, die eventuell auch noch einen extra Förderbedarf haben? Ich bezweifle einfach, dass das für die kindliche Entwicklung wirklich gut ist.

    Und ja, letztlich sind Lehrer heute mehr als Wissensvermittler, auch wenn sie es nicht gerne hören. Aber ich würde in der heutigen Zeit kein Lehrer sein wollen. Zum einen wegen der nervigen Eltern, denen man es eh nie recht machen kann. Zum anderen weil ich keine Lust hätte Erfüllungsgehilfe für die fehlerhafte Politik zu sein.

  15. #75
    love trumps hate Avatar von Ariel
    Ort: Monkey Island
    Blackbird, du hast kein so positives Bild von Schule, kann das sein?
    Ich kann dir versichern, es geht nicht darum, alle gleich zu machen. Gerade die heutige Pädagogik stellt das Kind als Individuum und individuelle Talente und Fähigkeiten sehr deutlich heraus. Es gilt, jedes Kind da abzuholen, wo es steht und es entsprechend seinen Möglichkeiten zu fördern. Und genau das ist das Schwierige, wenn man die Probleme hat, die Anscha oben beschreibt.
    Wieso sonst sollte es (in BaWü) Gemeinschaftsschulen mit ihren individuellen Lernplänen und verschiedenen Niveaustufen geben?

    Und ich glaube auch nicht, dass eine Mutter, die daheim bleiben möchte schräg angeguckt wird. Aber ich lass mich gern eines Besseren belehren. Eine Freundin hat vor kurzem ein Kind bekommen und möchte drei Jahre zu Hause bleiben. Sie hat nichts davon erzählt, dass sie angeguckt wird. Oder geht es darum, den Beruf komplett aufzugeben?

    Ich sags ehrlich, ich habe noch keine Kinder, aber ich möchte Stand jetzt auch nicht jahrelang daheim bleiben. Ich habe ein Studium und ein hartes Ref hinter mir und mag meinen Job total gerne. Das möchte ich nicht aufgeben. Elternzeit und eventuell Teilzeit gerne. Aber nicht komplett.

    Vielleicht sollten wir auch mal klären, über welche Art Lehrer wir reden. Zumindest GS-Lehrer waren noch NIE nur Wissensvermittler. Das ist vielleicht das Bild eines Gymnasiallehrers. Wir haben einen offiziellen Bildungs- UND Erziehungsauftrag.


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