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  1. #1

    Pfeil Präsidentschaftswahl in Brasilien 2018

    Am Wochenende fand die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien statt. Bolsonaro schrammte knapp an der absoluten Mehrheit vorbei. So gibt es am 28. Oktober eine Stichwahl zwischen Bolsonaro und Haddad.

    Der Ultrarechte Bolsonaro gewinnt die erste Wahlrunde in Brasilien

    Der Ultrarechte Jair Bolsonaro hat den direkten Sieg in der ersten Runde der brasilianischen Präsidentenwahlen nur knapp verpasst. 46 Prozent der Brasilianer haben beim Urnengang am Sonntag für ihn gestimmt. Hinter ihm liegt mit 29 Prozent der Stimmen Fernando Haddad vom Partido dos Trabalhadores (PT); er ist anstelle des früheren Präsidenten Lula da Silva angetreten. Bolsonaro geht damit als Favorit in die Stichwahl am 28. Oktober. Dem Land stehen drei Wochen polarisierender Wahlkampf zwischen links und rechts bevor.
    https://www.nzz.ch/international/rec...orn-ld.1426512

  2. #2
    Wie stehen eigentlich die Wettquoten dafür, dass Bolsonaro die Stichwahl verliert?

    Aufgrund des Top-Ergebnisses von ihm in der 1. Runde (46,0% vs. 29,3%) und der letzten Stichwahl-Umfragen dürfte es zwar ziemlich unwahrscheinlich sein, aber völlig undenkbar ist es ja nicht.

    Dass im völlig korrupten Brasilien der "Anti-Establishment"-Faktor ordentlich zieht, ist ja nachvollziehbar. Dass Bolsonaro das Land ökonomisch und in puncto Sicherheit wieder stabilisieren kann, ist aber IMO trotzdem nicht zu erwarten.
    Geändert von ManOfTomorrow (11-10-2018 um 15:06 Uhr)
    We're too young until we're too old - We're all lost on the yellow brick road - We climb the ladder but the ladder just grows - We're born, we work, we die, it's spiritual
    (Kenny Chesney - "Rich And Miserable")

  3. #3
    homo novus Avatar von caesar
    Ort: milchstrasse
    Die PT und Lula sind bei vielen schlecht angesehen, auch dank den Koruptionsskandalen.

    Bolsanaro hat hier eine weisse Wäsche und ist unbelastet. Dazu ist er als Anti-Etablishment am richtigen Ort zur richtigen Zeit.

    In der Not frisst der Teufel Fliegen.
    das melken eines leeren euters bewirkt nur,
    das man vom melkstuhl gestossen wird.

    rise and rise again until the lambs become to lions.

  4. #4
    In Sachen Korruption wäre ich in Südamerika sehr vorsichtig, schließlich hat da so mancher nur eine weiße Weste weil im bisherigen System noch nicht mitspielen dürfte und das ist unabhängig von der politischen Couleur zu sehen. Zudem dürfte Petrobras, der staatliche Selbstbedienungsladen für brasilianische Politiker, auch weiterhin an 1a-Beziehungen zur Regierung gelegen sein. Kurzfristig dürfte da sein Umgang mit Temer ein Gradmesser sein, was man diesbezüglich von ihm erwarten kann.

    Aber Korruption sehe in Sachen Bolsanaro eher als sekundäres Problem an, da dürften sein Rassismus und seine Nähe zur amerikanisch, evangelikalen Mission schon problematischer sein. Sein Wahlsieg dürfte es wieder so richtig heiß werden lassen in den Favelas und ob sich das dann nur auf die Favelas beschränken lässt?

    Den einzigen, den die brasilianisch Wahl vollkommen gleichgültig sein dürften, dürften die Regenwälder am Amazonas, deren Schutz steht eh nur auf dem Papier.

  5. #5
    Der Typus Trump in unterschiedlichen Schattierungen ist momentan in vielen Ländern offenbar recht beliebt bei nicht gerade wenigen Wählern. Die Erfahrung zeigt, dass dies keine Dauererscheinung ist, sondern eine Welle mal dies, mal jenes hochspült, doch schön isses momentan natürlich nicht.

  6. #6
    in südamerika gibt es viel postkolonialen grossgrundbesitz.
    brasilien ist ein zentrum der "landlosen" leute, die in der landwirtschaft arbeiten (campesinos).
    dh die arbeiter können sich nichts schaffen.
    ein brennpunkt ist kolumbien (todesschwadronen gegen linke politische aktivisten).
    in brasilien gibt es viele jahre salamitaktik gegen links, unterstützt von den reichen.
    reicher korreliert stark mit weisser.

    vor dem hintergrund ist klar, dass bolsonaro mächtige hilfe bekommt. dazu gehört globo tv, schon lang als "opposition" tätig. weiters die polizei, die auch fleissig die favelas terrorisiert.

    aber er ist ein religiöser identitärer. vergleiche mit trump und duterte sind falsch, denn trump hat keine religiöse agenda, sondern das wäre mike pence, und duterte ist in vielen bereichen eher links, und notorisch respektlos gegen religiöse anführer.

    es scheint sich um eine neue, induzierte rechtsruckwelle zu handeln, ein aufwärmen der pinochet-epoche.
    das heisst planmässig von kuba über venezuela über kolumbien bis brasilien alles aufzurollen, jedes land, das interessante ressourcen und politische signalwirkung hat.
    Das Netz hat keine Obergrenze.. Das Schöne: Im Netz ist jede Aussage wahr. -- Nur die Fragen, die im Prinzip unentscheidbar sind, können wir entscheiden. (Heinz von Foerster)
    http://www.antiquealive.com/Blogs/Ha...ean_House.html

  7. #7
    wenn seit 2011 in Brasilien mehr Menschen einen gewaltsamen Tod gestorben sind als in Syrien ist das halt auch eine Sache, die sich die PT teilweise ankreiden lassen muss. Ein Teil davon aber natürlich auch von der Polizei umgebracht, mehr als 5.000 pro Jahr, das sind ja Zahlen, die die US Polizei bei weitem nicht erreicht. Man wird sehen, wie sich das auf die 60.000 Morde pro Jahr und 50.000 Vergewaltigungen auswirkt, wenn Bolsonaro dann jetzt das Waffenrecht drastisch liberalisiert. Ob die Zahlen rauf oder runter gehen wird da sicher besonders in den Ländern, wo die Waffenrechtssituation kontrovers debattiert wird, also USA, als empirisches Anschauungsmaterial herangezogen werden die nächsten Jahren.
    Insgesamt ist aber PT-Korruption für die Bolsonaro Wähler eine noch größere Wahlkampf-Triebfeder als die Kriminalität.

    Den Linken kann aber durchaus Hoffnung machen, dass jetzt wo man in ganz Südamerika den Rechtsruck hat, die Vorzeichen für die Schwellenländer ökonomisch immer düsterer werden können mit den US-Leitzinserhöhungen, die ein Parameter sind, welches an die wirtschaftlichen Talfahrten der Südostasianten und Südamerikaner Ende der 90er erinnert. Zudem hatte ich gelesen, dass in Brasilien die Staatsverschuldung auch enorm sein soll.
    Wenn Bolsonaro da wirtschaftlich scheitert könnte das den Linken auch durchaus dann langfristig wieder die Macht sichern, wenn sie darauf verweisen können, dass sowohl Ende der 90er als auch jetzt mit den neoliberalen Regierungen alles vor die Hunde ging, noch bevor auch noch Chilavert in Paraguay und Kast in Chile vom Rechtsruck profitieren können.

    In Asien sieht es ja für Dutertes Philippinen sowie für Indonesien auch sehr düster schon aus was die Inflation und den Kapitalabfluss angeht, während sich der thailändische Baht aus irgendeinen Grund sehr gut behaupten kann. Das obwohl Thailand das erste Land Südostasiens 1998 war, wo Ferraris und Immobilienbesitz dann der Wert von Taschentüchern hatte.

  8. #8
    thailand als autoritäres königreich hat eine 2. ebene der organisation. das hat die schon mehrmals gerettet. sie denken, besser militär und könig, statt failed state. und die volkskultur ist damit kompatibel geblieben.
    malaysia entwickelt grad signalwirkuung, weil sie "multipolar" lernen, die koordination der indischen, malay, und chinesischen bevölkerungsteile und deren organisationen. anders gehen die vor die hunde, wo rundum soviel polarisiert wird.
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  9. #9
    ist nur zum meckern hier Avatar von Trellomfer
    Ort: Bedford Falls
    Ups, falscher Thread...sorry!
    Die in diesem Beitrag enthaltenen Schreibfehler sind gewollt, und dienen der allgemeinen Erheiterung


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