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Ergebnis 1 bis 7 von 7
  1. #1
    hautfarbenblind Avatar von ganzblau
    Ort: beim Drehen

    Gesetzesrevision stellt Selbständigkeit von Intensiv-Pflegepatienten in Frage

    Wie die Tagesschau vor wenigen Tagen berichtete, stellt eine seitens Gesundheitsminister Jens Spahn vorgeschlagene Gesetzesänderung die Selbstständigkeit von Intensiv-Pflegepatienten in Frage.

    Da sich im aktuell stark ausgebauten Bereich spezialisierter Pflegeanbieter viele "Betrüger" tummeln würden, will Spahn die Gesetzeslage überprüfen, die es heute vielen intensiv Betreuten (wie zum Beispiel ALS Betroffenen) erlaubt, in den eigenen vier Wänden zu leben. Künftig wäre nicht auszuschliessen, dass solche Menschen auf ihre Selbstbestimmung verzichten müssen und in Heime verbracht werden.

    Derzeit wächst der Widerstand gegen das "Reha- und Intensivpflege-Stärkungsgesetz", vor allem von seiten der Behindertenverbände. Hauptargument: Sollte die Gesetzesrevision durchkommen, würde auf dem Rücken der Schwächsten gespart. Es geht dabei um viel Geld: Rund 20'000 Schwerstbehinderte kosten die Krankenkassen derzeit jährlich zwischen 20'000 und 30'000 Euro.

  2. #2
    wo wirkt sich das aus? geht es um behinderte, die keine angehörigen haben, die für sie sprechen oder bürgen, und keinen anwalt beauftragt haben etc.

    ich kenne nämlich einen problematischen fall aber in A, da haben sich betrüger bei einer alten frau im haus eingeschlichen, die pflegen sie angeblich, heben aber unkontrolliert ihr geld ab. sie kannte die vom sehen von früher her.
    jetzt hat sie alzheimer, und die typen wollen aber genau das vor der behörde verbergen, und behaupten, sie wäre mit allem einverstanden, was sie machen.
    sie hat einen sohn, mit dem sie aber schlechten kontakt hat, und ums eck habe ich die story gehört.
    inzwischen ist sie vermutlich verstorben.


    facit für mich, das problem ist den zustand der person zu beurteilen, ob man aussagen von ihr bekommt, und ob sie diese im besitz ihres verstandes macht, und falls das zweifelhaft ist, ob es zum wohl beiträgt, sie mit einer zertifizierten pflegekraft zu hause zu lassen, oder in ein heim zu bringen. da ist das sparinteresse neoliberaler regierungen natürlich grausam.
    Geändert von hans (26-08-2019 um 02:41 Uhr)
    Das Netz hat keine Obergrenze.. Das Schöne: Im Netz ist jede Aussage wahr. -- Nur die Fragen, die im Prinzip unentscheidbar sind, können wir entscheiden. (Heinz von Foerster)
    http://www.antiquealive.com/Blogs/Ha...ean_House.html

  3. #3
    Zitat Zitat von ganzblau Beitrag anzeigen
    Da sich im aktuell stark ausgebauten Bereich spezialisierter Pflegeanbieter viele "Betrüger" tummeln würden
    Das heisst, dass es bei den Pflegeheimbetreibern keine Betrüger gibt?
    Na, das ist ja mal eine gute Nachricht.
    Bild:
    ausgeblendet

  4. #4
    hautfarbenblind Avatar von ganzblau
    Ort: beim Drehen
    Ups - eigentlich wollte ich ja den Thread wieder zurückziehen, gestern. Und zwar, weil Saruman das Thema im "Pflege"-Thread schon aufgegriffen hat. Ist aber schon okay, wenn wir hier diskutieren.

    Ich finde diese Spar-Idee genauso dämlich wie du, Haramis. Wie man überhaupt nur auf die Idee kommen kann, Menschen angeblich "zu ihrem Schutz" aus ihrem gewohnten Leben herauszureissen, macht mich sprachlos

    Eine Freundin von mir hat seit vielen Jahren ALS und lebt in ihrer eigenen Wohnung in Markkleeberg (Nähe Leipzig). Sie protestiert gegen den Entwurf genauso wie andere Betroffene.

    @hans: Du hast natürlich recht. Es geht bei dem bisher geltenden Grundsatz "ambulant vor stationär" genau um solche chronisch Kranke, die bei vollem Verstand sind und selbständig Entscheidungen treffen können. Der Neoliberalismus will solche Menschen finanziell in die "Pflicht und Verantwortung" nehmen - und das ist zynisch.
    Geändert von ganzblau (26-08-2019 um 07:42 Uhr) Grund: Saruman, nicht Haramis

  5. #5
    Zitat Zitat von Haramis Beitrag anzeigen
    Das heisst, dass es bei den Pflegeheimbetreibern keine Betrüger gibt?
    Von der sprachlichen Logik her heißt es das nicht.

  6. #6
    hautfarbenblind Avatar von ganzblau
    Ort: beim Drehen
    Apropos Betrugsvorwurf:

    In der Schweiz wird es zunehmend schwierig, eine Rente wegen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu bekommen. Und zwar entwickeln die Ämter immer neue Kriterien, die dich als Betroffenen verpflichten, alles zu unternehmen, was geht, um "in Brot" zu kommen.

    Dass es die Stellen nicht gibt, von denen die Kriterien ausgehen (also z.B. Teilzeitstellen für ältere Arbeitsnehmer, wo auf erhöhten Pausenbedarf Rücksicht genommen wird), steht auf einem anderen Blatt

    ... Was mir dabei auffiel: Als vor wenigen Jahren ein Bundesgerichtsentscheid veröffentlicht wurde, der Betroffene von krebsbedingter Fatigue grundsätzlich als rentenberechtigt erklärte, sind einige Vertreter von Behindertenorganisationen genau über das von dir monierte Stöckchen gesprungen. Anstatt ihre eigene Situation als eine genauso berechtigte zu schildern, haben sie gejammert, auch Cancer Survivors könnten sich Rentenleistungen erschleichen.

    Stimmt natürlich Nur spielt das Argument dem gemeinsamen Gegner in die Karten und verschleiert, worum es geht.

  7. #7
    Ich komme in Frieden. Auf ewig! Avatar von dracena I.O.F.F. Team
    Ort: Mördergrube
    Zitat Zitat von ganzblau Beitrag anzeigen
    Es geht dabei um viel Geld: Rund 20'000 Schwerstbehinderte kosten die Krankenkassen derzeit jährlich zwischen 20'000 und 30'000 Euro.
    Da hat die Tagesschau falsche Zahlen.
    Eine Beatmungspflege ist weit kostenintensiver: das können mehr als 10.000 € im Monat sein.
    https://investigativ.welt.de/2012/04...nd-gefahrlich/

    Die meisten Beatmungspatienten sind wohl Opfer von Schädel-Hirn-Verletzungen und liegen im (Wach)koma. Andere haben schwerste Lungenfunktionserkrankungen, COPD und ALS im letzten Stadium z.b..
    Erstere können sich tatsächlich nicht mehr selbständig äußern.

    Es ist richtig, dass dieser Bereich boomt. Soviel Geld lässt sich ansonsten in keinem Bereich der Pflege verdienen und ich weiß, dass in den letzten Jahren private Beatmungspflege-WGs und ambulante Dienste quasi wie Pilze aus dem Boden schießen.

    Ich bin der Meinung, da müsste tatsächlich mehr kontrolliert werden, vor allem in der häuslichen Pflege. Eben weil die Patienten sich zum Teil nicht mehr äußern können.
    Aus dem verlinkten Artikel:
    "Es geht nicht darum, Menschen ins Heim zu zwingen, die noch selbst für sich sorgen können und dafür zum Beispiel eine Pflegeassistenz haben," so Spahn. "Es geht um diejenigen, die 24 Stunden am Tag Intensivpflege brauchen und in der Regel nicht mehr selbst entscheiden, wo sie gepflegt werden: Wachkoma-Patienten zum Beispiel."
    Vielleicht sollten da auch die Behindertenverbände etwas mehr differenzieren.
    Wir schätzen die Menschen, die frisch und offen ihre Meinung sagen - vorausgesetzt, sie meinen dasselbe wie wir.
    (Mark Twain)

    http://www.terre-des-femmes.de/


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