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Ergebnis 1 bis 12 von 12
  1. #1
    Pan narrans Avatar von Proteus I.O.F.F. Team
    Ort: Essen

    Werkzeuggebrauch bei nichtmenschlichen Tieren

    Ich eröffne es mal als Sammelthread weils einfach ein faszinierenes Thema ist.

    Der Anlass ist aber, dass die Anzahl der nichtmenschlichen Tierarten von welchen man weiß dass sie Werkzeuge benutzen um 1 erweitert wurde:
    Schweine

    Genauer gesagt: Visaya-Pustelschweine (Sus cebifrons)

    Laut einer neuen Studie können diese Rindenstücke und Äste als Hilfsmittel zum Graben benutzen (indem sie diese zum Graben udn Stochern in die Schnauze nehmen.
    Anlass der Studie war, dass eine Co-Authorin der Studie vor 4 Jahren in einem Pariser Zoo sah, wie ein weiblicher Visaya namens Priscilla ein Stück Rinde in die schnauze nahm um damit zu graben.
    In den Folgejahren haben sie und andere Biologen die Schweine mehrmals erneut besucht und ihnen absichtlich diverse Äste ins Gehege gelegt ... und konnten beobachten dass nicht nur die Visaya-Dame (Priscilla) sondern nach einer Weile auch ihr Paarungspartner und deren Kinder diese Werkzeuge bereitwillig annahmen und ebenfalls zum Graben benutzen.

    Die Forscher vermuten dass die anderen Schweine den Werkzeuggebrauch von Priscilla abgeguckt haben, insofoern also durch Beobachtung gelerrnt haben.

    Lustigerweise ist den Forschern aber nicht klar warum die Visayas das machen, denn mit der Schnauze und den Hufen können sie erheblich effizienter graben als mit den Ästen. Sie vermuten dass sie es einfach aus Vergnügen machen, oder aus Gründen die uns Menschen nicht bewußt sind.

    https://edition.cnn.com/2019/10/06/u...rnd/index.html
    "After sleeping through a hundred million centuries we have finally opened our eyes on a sumptuous planet, sparkling with color, bountiful with life.
    Within decades we must close our eyes again.
    Isn’t it a noble, an enlightened way of spending our brief time in the sun, to work at understanding the universe and how we have come to wake up in it?"

    Richard Dawkins

  2. #2
    leben und leben lassen Avatar von Jannick
    Ort: Monachia
    Ich liebe Schweine, jeglicher Art sie sind intelligent und sensibel und wenn man ihnen ins "Gesicht" schaut, denkt man, sie lachen immer.
    Vielleicht sind sie so klug und schonen mit den Ästen instinktiv ihre Schnauzen und ihre Hufe. Könnte doch sein, oder?

  3. #3
    Pan narrans Avatar von Proteus I.O.F.F. Team
    Ort: Essen
    Zitat Zitat von Jannick Beitrag anzeigen
    Ich liebe Schweine, jeglicher Art sie sind intelligent und sensibel und wenn man ihnen ins "Gesicht" schaut, denkt man, sie lachen immer.
    Vielleicht sind sie so klug und schonen mit den Ästen instinktiv ihre Schnauzen und ihre Hufe. Könnte doch sein, oder?
    Hm ... schwer vortellbar ...
    in dem Video im Artikel sieht man wie das gleiche Visaya das anfänglich mit einem Stück Borke schaufelt, wenig später seine Hufe zu Hilfe nimmt
    "After sleeping through a hundred million centuries we have finally opened our eyes on a sumptuous planet, sparkling with color, bountiful with life.
    Within decades we must close our eyes again.
    Isn’t it a noble, an enlightened way of spending our brief time in the sun, to work at understanding the universe and how we have come to wake up in it?"

    Richard Dawkins

  4. #4
    Nichtmenschliche Tiere, gibt es auch menschliche Tiere? OK, die gibt es auch reichlich.

    Wenn man Elefanten beobachtet, die Äste 45° an die Hauswand lehnen um sie dann zu zerbrechen, oder Affen die mit Steinen eine Kokosnuss, die sie vorher in eine Mulde gelegt haben, knacken, dann staunt man schon.
    Und Elstern sollen ja den Vogel abschießen, die zeigen mit ihren kleinen Hirnen erstaunliche Intelligenz.

    https://www.welt.de/wissenschaft/umw...issen-ist.html

  5. #5
    vom Blitz getroffen Avatar von BlackGirl
    Ort: Kölle
    Menschlich meint wohl menschenähnlich, also hauptsächlich Affen. Btw, ein Kokosnuss öffnender Affe ist ja pille-palle. Richtig cool ist ein Orang-Utan, der sich jeden Morgen mit Seife wäscht (abgeguckt) oder andere Affen, die Türschlösser knacken um an Nahrung zu kommen.

  6. #6
    Koyaanisqatsi Avatar von Suther Cane
    Ort: Ende der Welt
    Ich finde jetzt den Link nicht mehr, aber ich habe irgendwo gelesen, daß Makaken (Klein-Affen-Art) in Japan den Touristen Münzen aus den Taschen klauen um sich an den Snackautomaten Süßigkeiten zu holen.

    Das ist jetzt kein Werkzeug, aber eigentlich sogar noch eine Nummer drüber

    Zu Blackys Post. in Rostock im Zoo habe ich einem Gorilla zugeschaut, der auf dem Rand eines Kinderplanschbeckens saß, das die Pfleger ins Gehege gestellt hatten, und sich die Füße gewaschen hat. So richtig mit abreiben und allem. Allerdings war der Gorilla wohl zu schwer für den Beckenrand. Irgendwann ist der eingebrochen und zusammengefallen. Der Gorilla (bzw die Gorilla, war wohl ein Weibchen) ist ein paar Schritte zurückgehüpft vor Schreck, hat sich das Ganze kurz angeschaut und ist dann "extrem unauffällig" (so wie es kleine Kinder mit schlechtem Gewissen machen) weggebummelt nach dem Motto "war was? ich hab nichts gemacht". Das sah so unglaublich menschlich aus.
    Geändert von Suther Cane (15-10-2019 um 13:15 Uhr)
    Bild:
    ausgeblendet

  7. #7
    vom Blitz getroffen Avatar von BlackGirl
    Ort: Kölle
    Ja, Makaken sind äußerst schlau und Tauschgeschäfte können die. Und wenn keine Münzen zu klauen sind, dann eben was anderes, Handys, Sonnenbrillen oder Kappen und die Touris müssen ihre Schätze dann "auslösen". Und wehe, das Tauschangebot goutiert nicht, dann landet das Zeugs auch schon mal im Wasser...

  8. #8
    Schönes Thema.
    Dazu erstmal mein Einstiegspost: Stoffle, der Honigdachs und Ausbrecherkönig. Er kann Türen öffnen, Schlösser des Geheges und baut sich aus allem, was das Gehege hergibt, "Leitern".

    https://www.youtube.com/watch?v=c36UNSoJenI

    Die althergebrachte Verhaltensforschung, in der Tiere numeriert wurden, keine Namen haben durften und nur reaktiv unter Laborbedingungen "beobachtet" wurden, ist nun endlich seit einigen Jahren überholt. Ein bekannter Verhaltensforscher machte mal ein Gleichnis zur althergebrachten westlichen Verhaltensforschung (frei aus meinem Gedächtnis): "Man stelle sich vor, eine andere Spezies würde Menschen in ein Labor und dort in eine Petrischale bringen und dann eine Seite mit Kälte beliefern und die andere Seite mit starker Hitze. Was würden die Forscher der anderen Spezies erkennen? Dass alle in die Mitte rennen? Okay. Und sonst? Keine Intelligenz oder gar Emotionen zu beobachten. PUNKT."

    Unter anderem auch dank Jane Goodalls Arbeit ist diese Art der Verhaltensforschung überholt, auch wenn es natürlich noch viele Projekte der alten westlichen Schule gibt.

    Wer dazu und zu den vielfältigen Beobachtungen bei den unterschiedlichsten Tieren etwas lesen möchte: Frans de Waal ist da meine Empfehlung.



    Die westliche Kultur hatte mit der industriellen Revolution einen sehr tiefen Einschnitt erfunden und herbeigeführt (zwangsläufig): Den Unterschied zwischen Tieren der Art Mensch und den anderen Tieren. Tiere der Art Mensch wurden zu Menschen. Die anderen Tiere waren weiterhin Tiere. Allerdings wurde diesen (den Tieren nach westlicher Auffassung) jegliche Intelligenz, Emotion etc. abgesprochen. Dies erleichterte und erleichtert immer noch die industrielle Tierproduktion, da es die Menschen dazu berechtigt, Tiere als bloßes Objekt zu behandeln.

    Diese industrielle Tierproduktion ist nur noch schwer umsetzbar, wenn die allgemeine Wahrnehmung ist, dass es Tiere gibt und in dieser Kategorie Menschen, Menschenaffen, Affen, Honigdachse etc. zu finden sind.

    Als ich vor 40 Jahren hörte, dass es eine Bewegung "Menschenrechte für Menschenaffen" gab (Roger Fouts, Jane Goodall, ...), zweifelte ich, dass diese Bewegung jemals etwas erreichen würde. Ich hielt es auch für zu eingegrenzt. Aber heute gibt es tatsächlich einen Teilerfolg:
    Ein durch ein Gerichtsurteil international bekannt gewordener Orang-Utan darf künftig in einem Reservat in den USA leben. Weibchen "Sandra" wurde auf Verlangen der argentinischen Justiz am Donnerstag aus dem ehemaligen Zoo von Buenos Aires in eine Auffangstation für Menschenaffen verlegt. Die 1986 im Rostocker Zoo geborenen Affendame wurden die Rechte einer "nichtmenschlichen Person" zugesprochen, deshalb sei ihre Freilassung zwingend. Das Tier wurde per Direktflug nach Dallas gebracht - allerdings nicht als Passagier, sondern im Frachtraum.
    Quelle: https://www.sueddeutsche.de/panorama...ires-1.4618638
    Geändert von BrianBoru (17-10-2019 um 16:50 Uhr)

  9. #9
    der stoffle ist jetzt ingenieur bei der nasa! (die kommentare sind genial.)
    tja sowas lässt halt auch die idee von der seelenwanderung aufkommen.
    der dachs hat mehr persönlichkeit als mancher politiker.
    Das Netz hat keine Obergrenze.. Das Schöne: Im Netz ist jede Aussage wahr. -- Nur die Fragen, die im Prinzip unentscheidbar sind, können wir entscheiden. (Heinz von Foerster)
    http://www.antiquealive.com/Blogs/Ha...ean_House.html

  10. #10
    Vor ein paar Tagen kam eine Doku über Intelligenz bei Tieren. Da gab es den Papagei Alex:

    Nach den insgesamt 19 Jahren Training hatte Alex einen aktiven Wortschatz von insgesamt 200 Wörtern, die er äußern konnte, und einen Wortschatz von ungefähr 500 Wörtern, die er verstehen konnte. Außerdem konnte er – begrenzt – zählen und selber Wünsche äußern. So sagte Alex zum Beispiel, wenn ihm das Fragespiel nicht mehr gefiel, „I’m gonna go away“ (Ich werde weggehen), und wenn der Forscher sich verärgert zeigte, versuchte Alex die Situation durch „I’m sorry“ (Tut mir leid) zu entschärfen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Alex_(Graupapagei)

    Und man sah einen Schimpansen, der eine Leistung zeigte, die für Menschen absolut unmöglich ist.
    Auf einem Touchscreen blitzen für 60 Millisekunden 9 Ziffern wild verteilt auf, dann waren nur noch die Felder markiert, hinter denen die Ziffern verborgen waren.
    In Sekundenschnelle hat der Schimpanse dann die Ziffern in der richtigen Reihenfolge wieder angeklickt und sichtbar gemacht.
    Unglaublich!

  11. #11
    spannend sind auch die "theory of mind" experimente mit schimpansen. die beherrschen den grundbegriff des pokerspiels.
    es gibt eine spielvorrichtung mit einer trennwand, die rauf und runter geht, und 2 schimpansen spielen gegen einander. da geht es darum, dass einer sich vorstellen kann, was der andere gesehen hat, aufgrund der wand oder nicht, und wie der sein wissen dann verwenden würde, um die nuss unter dem hütchen zu kriegen, von denen 3 hin und her geschoben wurden, verdeckt und offen. und der verstand das, und wenn er einen spielzug voraus war, konnte er dem anderen zuvor kommen.
    Das Netz hat keine Obergrenze.. Das Schöne: Im Netz ist jede Aussage wahr. -- Nur die Fragen, die im Prinzip unentscheidbar sind, können wir entscheiden. (Heinz von Foerster)
    http://www.antiquealive.com/Blogs/Ha...ean_House.html

  12. #12
    Ich habe letztens im Park eine Rabenkrähe beobachtet, die ein halbes Brötchen verzehrte. Nachdem das leckere, weiche Innere rausgeprokelt war, hat sie Brocken von der harten Kruste abgebrochen und in eine Pfütze fallen lassen, die sich in einer Mulde von Buchenwurzeln gebildet hatte. Gewartet, einweichen lassen und verspiesen


    Ich habe gerne Wikipedia reference-linkFrans de Waal gelesen zu Fragen von Bewusstsein bei Tieren.

    Die Schwerpunkte von de Waals Arbeiten liegen in der Erforschung der tierischen und menschlichen Entwicklung von Kultur, Moral und der Entstehung von Empathie und Altruismus als einer der Grundlagen der Sozialisation innerhalb von Gruppen
    ebd.
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